Gleichstellung damals und heute

Der Kinoraum des Schambrowski in Erfurt war am 16.6. gut gefüllt bei der Filmvorführung von "Die Unbeugsamen 2". Foto: (c) Zubarik/EAT 
In der Pause wurde vielseitig und in vielen Grüppchen vor dem Schambrowski diskutiert. Foto: (c) Zubarik/EAT 
Auf dem Podium diskutierten Zeitzeugin Tely Büchner (li.) und Nele vom Feministischen Forum Erfurts (mi.) mit Sara Marie Schläger (re.).
Am 16.06.2026 war das Schambrowski – Kino, Filmverleih und Fachbibliothek für Graffiti im Erfurter Norden – bis auf den letzten Platz gefüllt. Es stand die Veranstaltung unserer FSJlerin unter dem Titel „Gleichstellung im DDR-Alltag? Zwischen Kindern, Küche und Karriere“ an.
Der Abend begann mit dem gemeinsamen Schauen des Filmes „Die Unbeugsamen 2 – Guten Morgen, Ihr Schönen!“, der das Leben von Frauen in der vermeintlich gleichberechtigten DDR thematisierte. Während des Films fiel nicht nur die starke Überlastung dieser Frauen auf, sondern auch ihre große Kraft sowie ihr bewundernswertes Durchhaltevermögen. Sie durften im Vergleich zu den Frauen in der BRD arbeiten und mussten das sogar, da die DDR die Arbeitskräfte brauchte. Nach den teils sehr langen Arbeitstagen waren sie zu Hause noch für die Haushaltsarbeiten und die Kindererziehung (Care-Arbeit) verantwortlich, was zu einer dreifachen Belastung führte. Die interviewten Frauen im Film versuchten durch einen seht trockenen Humor mit diesem Erschöpfungsgefühl besser umgehen zu können. Eine weitere Stütze für sie damals war die Oma, die in vielen Familien eine Entlastung darstellte und sich um die Kinder kümmerte.
Im Anschluss an den Film fand ein Podiumsgespräch mit der Zeitzeugin Tely Büchner und Nele vom Feministischen Forum Erfurts statt, welches durch unsere FSJlerin Sara Marie Schläger moderiert wurde. Dabei erzählte Tely Büchner, die damals in einer Künstlerinnengruppe aktiv war, wo und wann sie Widerstände im Alltag wegen ihres Engagements erfuhr. „Wenn wir wichtige Entscheidungen treffen mussten, besprachen wir das immer bei Spaziergängen und nie zu Hause“, erzählte sie, aber auch heute gibt es noch Widerstände, wie Nele erklärte, wobei es zumeist nur kleine Bemerkungen im Alltag sind, die häufig aus veralteten Geschlechterbildern heraus entstehen. Auf die Frage nach Unterschieden zwischen dem damaligen und dem heutigen Feminismus entgegnete Tely Büchner, dass es heutzutage viel mehr um die faire Aufteilung der Care-Arbeit geht und Nele führte weiter aus, dass der heutige Feminismus viel intersektionaler begriffen wird, weswegen häufig die Rede von Queerfeminismus ist. Dabei wird ein besonderer Fokus auf Menschen gelegt, die keine cis-Frauen sind, also Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen weiblichen Geschlecht nicht übereinstimmt, sowie auf Mehrfach-Marginalisierungen, wie sie zum Beispiel Transpersonen erleben, die zusätzlich noch Diskriminierung als Person of Color erfahren. Das wird auch in der Musikkultur mit Rapperinnen wie Ikkimel deutlich, die bewusst negativ konnotierte Begriffe als positive Eigenschaften wiederverwendet.
Nach diesem sehr schönen Abend bleibt offen, wie sich die queerfeministischen Bewegungen weiterentwickeln und ob wir in ein paar Jahren über ganz neue Themen diskutieren werden.