Go(o)d vibes in Volkenroda – Jugendfestival zwischen Musik, Gemeinschaft und Respekt

Evang. Jugendfestival Volkenroda. Foto: © Lehmann/ EAT 
Ein Lächekn ist ansteckend. Foto: © Lehmann/ EAT 
Stencil Workshop. Foto: © Lehmann/ EAT
Ein beeindruckendes Kloster, mehrere Bühnen, Bands mit ganz unterschiedlichen Musikstilen und rund 400 Jugendliche: Vom 28. bis 30. August 2026 wurde Volkenroda wieder zum Treffpunkt für junge Menschen aus Mitteldeutschland. Alle zwei Jahre veranstaltet der Bund evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (bejm) das Jugendfestival – in diesem Jahr unter dem Motto „Go(o)d vibes“. Und gute Vibes gab es reichlich. Doch das Festival hatte weit mehr zu bieten als Musik und Konzerte.
Ein Festival mit vielen Facetten
Neben den Bühnen und Konzerten konnten die Jugendlichen aus einem vielfältigen Programm wählen: Andachten und Bibelarbeiten luden zum Nachdenken und Innehalten ein, Workshops eröffneten Räume für Austausch und Diskussion. Bei Spielen, in der Silent Disco oder im Spiele-Café stand die Gemeinschaft im Mittelpunkt.
Auch für Abenteuerlustige gab es einiges zu entdecken: erlebnispädagogische Angebote, Klettern am Kran, einen Feuerspiel-Workshop und Graffiti sorgten für Action und kreative Möglichkeiten. In der E-Sport-Lounge konnten sich Gaming-Begeisterte treffen. Informationen rund um das Kloster und Klosterführungen boten zudem die Möglichkeit, den besonderen Veranstaltungsort näher kennenzulernen.
Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst, der die vielen Eindrücke und Begegnungen des Wochenendes noch einmal zusammenführte.
Ein solches Festival entsteht allerdings nicht von allein. Das Programm steht und fällt mit den Ideen, der Kreativität und dem Engagement vieler Menschen, Initiativen und Gruppen.
Jugendbeteiligung, die man erleben kann
Besonders deutlich wurde das bei der aktiven Beteiligung junger Menschen. Jugendliche vom Landesjugendkonvent übernahmen beispielsweise die Moderation des Bühnenprogramms. Insgesamt waren mehr als 100 haupt- und vor allem ehrenamtlich Engagierte am Auf- und Abbau, bei der Betreuung der Pavillons und Stände sowie bei der Durchführung des Festivals beteiligt. Viele von ihnen waren in den vergangenen Jahren selbst als Teilnehmende dabei. Aus dem Erleben des Festivals entstand der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und das Festival selbst mitzugestalten.
Das ist Jugendbeteiligung, wie sie besser kaum sichtbar werden könnte: Jugendliche sind nicht nur Gäste eines Festivals – sie gestalten es mit, übernehmen Verantwortung und prägen das Programm.
„Auf-Augenhöhe“: Wie gelingt respektvoller Austausch?
Auch die Akademie war beim Jugendfestival aktiv beteiligt. Neben der Gestaltung von Botschaften als Schablonen lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem jugendpolitischen Workshop am Samstagnachmittag. Unter dem Titel „Auf-Augenhöhe“ ging es um eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Wie können wir trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben?
Rund 30 Teilnehmende unterschiedlichen Alters tauschten sich in wechselnden Groß- und Kleingruppen aus. Gemeinsam mit jungen Gästen aus politischen Jugendorganisationen wurde diskutiert, welche Rolle Respekt und Meinungsfreiheit im Alltag spielen – in der Schule, online, im Freundeskreis und in der Gesellschaft.
Dabei standen unter anderem diese Fragen im Mittelpunkt:
- Welche Rolle spielen Respekt und Meinungsfreiheit in unserem Alltag?
- Wie kann ich meine eigene Meinung klar vertreten, ohne andere abzuwerten oder zu verletzen?
- Woran merke ich, dass in einer Diskussion der Respekt verloren geht?
- Was kann ich tun, um ein Gespräch wieder in eine konstruktive Richtung zu bringen?
- Wie kann eine Gesellschaft aussehen, in der sich alle trauen, ihre Meinung zu äußern?
Zuhören, nachfragen, aushalten
Die Gespräche zeigten schnell: Respektvolle Kommunikation ist wichtig – aber keineswegs immer einfach. Die Teilnehmenden berichteten von verhärteten Fronten bei bestimmten Themen, von Unterstellungen, abwertender Mimik und Gestik und einer manchmal harten Gesprächsdynamik. Gerade im Netz werde Respekt häufig zur Herausforderung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Meinungsfreiheit eine große Bedeutung hat, aber nicht grenzenlos ist. Als hilfreich wurden ganz konkrete Strategien benannt: zuhören, nachfragen, Verständnisfragen stellen und die Faktenbasis überprüfen. Ich-Botschaften können helfen, die eigene Perspektive auszudrücken, ohne dem Gegenüber Vorwürfe zu machen. Auch Gefühle dürfen benannt werden, wenn sie in einem Gespräch hochkommen.
Es geht darum, Standpunkte zu klären und gleichzeitig die eigene Bewertung zunächst zurückzuhalten. Ehrliches Interesse am Gegenüber zu zeigen, Anknüpfungspunkte zu suchen und Widersprüche auszuhalten, kann helfen, wieder auf eine gemeinsame Gesprächsebene zu kommen. Dabei muss nicht immer sofort ein Konsens entstehen. Vielmehr braucht es die Fähigkeit, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und dennoch miteinander im Gespräch zu bleiben.
Respekt beginnt im Kleinen
Einige Ergebnisse der Diskussion waren überraschend einfach und gerade deshalb eindrücklich: Ein Lächeln ist ansteckend. Toleranz und Offenheit zeigen sich nicht nur in großen politischen Debatten, sondern vor allem im alltäglichen Handeln. Dazu gehört, eigene Vorurteile zu reflektieren, konstruktive Kritik anzunehmen und die eigenen Grenzen ebenso zu wahren wie die Grenzen anderer. Auch eine gemeinsame Fehlerkultur wurde als wichtig beschrieben. Nicht immer müssen wir die schlimmsten Konsequenzen befürchten. Nicht immer müssen wir nachgeben. Und manchmal braucht es nach einem Konflikt einen bewussten Neustart – vielleicht sogar durch Vergebung.
Besonders mit Blick auf junge Menschen und Migrant:innen wurde wahrgenommen, dass Respekt in der Gesellschaft teilweise abgenommen hat. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Meinung äußern können, ohne Angst vor Abwertung haben zu müssen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Das Jugendfestival in Volkenroda hat einmal mehr gezeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen Raum bekommen, ihre Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Musik, Glauben, Diskussion, Kreativität, Spiel und Gemeinschaft gehörten dabei genauso zusammen wie haupt- und ehrenamtliches Engagement. Das Motto „Go(o)d vibes“ beschreibt dabei nicht nur die Stimmung des Wochenendes. Es steht auch für eine Haltung: gemeinsam unterwegs sein, einander begegnen, zuhören, diskutieren, feiern und Verantwortung übernehmen.
Mehr als 400 Jugendliche, zahlreiche Initiativen und Gruppen und über 100 Engagierte haben das Festival zu dem gemacht, was es war. Jugendbeteiligung at its best!
Veröffentlicht am 03. September 2026












