Podiumsdiskussion mit Dr. Axel Hartmann | Foto: (c) Kranich/EAT
Innensichten aus der deutschen Botschaft in Budapest von 1982 bis 1985, Storys aus dem Bundeskanzleramt von 1987 bis 1991: Es war eine zeitgeschichtliche Lehrstunde, die der Diplomat Dr. Axel Hartmann am 27. November in der Michaeliskirche Erfurt bot. Mehr als eine Stunde lang hingen die Besucherinnen und Besucher an seinen Lippen.
Denn er wusste Dinge zu erzählen, die man sonst kaum erfährt: Wie Leonid Breschnew bei seinem Besuch in Bonn 1981 schon geistig abwesend, „völlig gaga“ war. Wie die SED-Führung und der Unterhändler der DDR Wolfgang Vogel beim Freikauf politischer Gefangener durch die Bundesregierung tobten, wenn Familienmitglieder von SED-Größen Zuflucht in deutschen Botschaften in Prag oder Budapest suchten. Auf welche Weise er selbst ca. 1000 DDR-Bürgern, die in der Budapester Botschaft Asyl suchten, zur Ausreise in den Westen verhalf.
Als Leiter der Rechts- und Konsularabteilung sei er verpflichtet gewesen, allen Deutschen – auch denen aus der DDR – Hilfe und Beistand zu leisten, so Hartmann. Vor allem Ärzte, Ingenieure, Facharbeiter seien es gewesen, die unzufrieden mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der DDR in den Westen wollten. Von ihnen nach dem Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland gefragt, habe er oft geantwortet: „Im Osten kommt der Staat zu ihnen. Im Westen müssen sie dem Staat hinterherlaufen, wenn sie etwas von ihm wollen.“
Zum Hauptthema des Abends „Gorbatschow und die Folgen“ wusste er zu berichten: Gorbatschow bot in seinen ersten Analysen das Bild eines Hardliners, der an seine Landsleute appellierte: „Mehr arbeiten, weniger saufen.“ Nach Tschernobyl und der westlichen Hilfe beim Erdbeben im Kaukasus 1988 habe jener ein anderes Bild vom Westen gewonnen, auch sei zwischen ihm und Helmut Kohl das Eis gebrochen.
Als Referent für bilaterale Beziehungen zu den Warschauer-Pakt-Staaten und den KSZE-Prozess im Osteuropareferat und Mitarbeiter des Ministerialdirektors Horst Teltschik sowie als stellvertretender Leiter des Ministerbüros beim Chef des Bundeskanzleramts, Bundesminister Rudolf Seiters, habe er selbst Gorbatschow nie die Hand geschüttelt. Aber er habe politisch analysiert und für Kohl die Redeteile, die sich auf Osteuropa bezogen, verfasst. Auch habe er für Gorbatschow eine Kopie des Molotow-Ribbentrop-Paktes besorgt, der in der Sowjetunion nicht mehr aufzufinden war, und bei dieser Gelegenheit für sich selbst auch gleich eine gemacht.
Solche Details – eingeordnet in den großen Gang der Geschichte – waren es, die den Abend spannend machten. Am Ende stellte Axel Hartmann vor Augen, wie klein das Zeitfenster gewesen ist, in dem die Öffnung unter Gorbatschow die deutsche Wiedervereinigung möglich machte. Schon 1990 hätten Putschgerüchte gegen Gorbatschow die Runde gemacht. „Dass wir hier in einer Kirche sind“, sei eine gute Gelegenheit, Gott dafür zu danken. Auch angesichts der derzeitigen Machthaber in Moskau.
Der Sozioökonom und "Wirtschaftsweise" Achim Truger kritisiert die Volkswirtschaftslehre und mahnt mehr Sozialökonomik im SVR an. Foto: (c) Fehlberg/EAT
Die Grande Dame der Sozialökonomik: Gertraude Mikl-Horke ist die Schöpferin zahlreicher Standardwerke und die kenntnisreichste Erforscherin der sozialökonomischen Wissenschaftsidee. (c) Foto: Kreyßler/EAT
Traugott Jähnichen kennt die Geschichte und das Wesen des sozialen Protestantismus wie kaum ein anderer. Der Theologe und Ökonom vertritt die Protestantische Sozialethik u.a. bei der EKD. (c) Foto: Kreyßler/EAT
Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft ist eng mit dem Forschungsprogramm der Sozialökonomik verbunden - und mit der Protestantischen Sozialethik. (c) Foto: Fehlberg/EAT
"Mehr Sozialökonomik wagen!" Im Erfurter Rathaus forderte der Arbeits- und Wirtschaftssoziologe Klaus Dörre zudem eine Thüringer Arbeitskammer, um den Krisen der Zeit gemeinschaftlich entgegenzutreten. Foto: (c) Fehlberg/EAT
Zu oft gäbe es „Rückfälle“ in „ökonomistische“ Verengungen, was zu unzulässig verkürzender Politikberatung führe, so Truger weiter. Im SVR werde die Befassung fast ausschließlich am Wirtschaftswachstum orientiert, so dass zum Beispiel ungleiche Bezahlung der Geschlechter, Kinderbetreuung und Angehörigenpflege allein unter dem Aspekt der Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit betrachtet würden. Neben einer Revision des SVR-Mandats sei es überdies dringend nötig, auch die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an den Universitäten auf den Prüfstand zu stellen.
Wenn das Wissen jahrzehntelang in „Standard-Lehrbüchern“ dogmatisiert sei, dann stehe letztlich die Volkswirtschaftslehre (VWL) selbst als überkommene universitäre Disziplin zur Disposition. Die VWL sei, so Truger im Anschluss an ein Zitat seiner britischen Kollegen Robert und Edward Skidelsky von 2013, nicht mehr „die Wirtschaftswissenschaft“, sondern lediglich deren „tödliche Orthodoxie“, die es zu überwinden gelte. Achim Truger ist seinerseits Professor für Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen.
Zuvor hatte schon Klaus Dörre mit der Forderung „Mehr Sozialökonomik wagen!“ klare Akzente auf der Tagung gesetzt. Der Arbeits- und Wirtschaftssoziologe an den Universitäten in Jena und Kassel ist nicht dafür bekannt, hinterm Berg zu halten. Er sieht die Gesellschaft vor einem „epochalen Wandel“, ausgelöst durch eine „ökologisch-ökonomische Zangenkrise“. Deutlich machte er dies an zahlreichen „Nachhaltigkeitskonflikten“ im Wirtschaftsleben und gesellschaftlichen Milieus und Klassen; wir alle kennen das Phänomen der „Spaltung“, das „Darüber-reden-wir-nicht-mehr-miteinander“, das sich bis in Familien hineingearbeitet hat.
Mehr Sozialökonomik wagen!
So sprach Dörre etwa vom sozial verheerend wirkenden Gefühl des „Ehrverlusts“ durch Niedriglöhne und die Angst vor der sozialen Abkopplung. Er warb für eine höhere Schmerztoleranz, was das Miteinanderreden und Problematisieren anginge und für eine offensiv betriebene „demokratische Konfliktpartnerschaft“. Er hob die Exzellenz der interdisziplinär breit aufgestellten Thüringer Sozialwissenschaft gerade auf diesem Feld hervor – beklagte aber sogleich auch das fehlende Gehör der Landespolitik.
Um die wirtschaftlichen, sozialen und bildungspolitischen Gräben zu überwinden, forderte Klaus Dörre zuletzt den Aufbau einer Thüringer Arbeitskammer. Diese könne – nach ihren schon lange existierenden Vorbildern in Österreich, im Saarland und in Bremen – die soziale Verständigungslücke zwischen Arbeit und Wirtschaft sowie (Weiter-)Bildung und Wissenschaft schließen helfen.
Klaus Dörre: Thüringer Sozialwissenschaft, Thüringer Arbeitskammer
Die öffentlich-rechtlichen Arbeitskammern ergänzen in den genannten Ländern das etablierte Kammerwesen aus Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie berufsständischen Körperschaften, zum Beispiel Ärzte- und Architektenkammern. Arbeitskammern vertreten Arbeitnehmer aller Branchen und bieten zum Beispiel aufgefächerte (Weiter-)Bildungsangebote an. Mit ihrem Fokus auf die allgemeine Arbeitswelt ergänzen sie die Interessenvielfalt des Kammerwesens um eine zentrale Perspektive, die sowohl volkswirtschaftliche als auch gesellschaftliche und ökologische Fäden zusammenführt.
Studienbereich Arbeit und Wirtschaft erfährt Profilschärfung
Die erste Sozialökonomik-Tagung in Erfurt und Neudietendorf soll, wenn es nach dem Studienleiter für Arbeit und Wirtschaft an der Evangelischen Akademie, Frank Fehlberg, geht, nicht ohne Wirkung auf die Profilierung seines Studienbereichs bleiben. Schließlich sei die mitteldeutsche Region stark mit dem protestantisch-sozialen Strang der sozialökonomischen Wissenschafts- und Ideengeschichte verbunden.
So war ein wiederkehrender und oft genannter Referenzpunkt der Tagung der Jurist, Ökonom und Soziologe Max Weber, der 1864 in Erfurt geboren wurde und ab 1914 die Lehrbuchreihe Grundriss der Sozialökonomik herausgegeben hatte. Ab 1904 hatte Weber zudem sein bekanntestes Werk Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus veröffentlicht.
Von katholischer Soziallehre und protestantischer Sozialethik
Gleichwohl war ebenfalls die katholische Soziallehre – aktuell vor allem mit den Päpsten Franziskus und Leo XIV. verbunden – mit einem eigenen Beitrag auf der Tagung vertreten. Sebastian Thieme, Vertreter des Kooperationspartners Katholische Sozialakademie Österreichs in Wien, referierte so manche Position der katholischen Kirchenführung (ausgehend vom Satz „Diese Wirtschaft tötet“ von Papst Franziskus 2013), die die gegenwärtigen Stellungnahmen anderer Konfessionen blass aussehen lässt.
Die Konferenz war am 19. November im Festssal des Erfurter Rathauses mit Geleitworten von Prof. Dr. Bettina Hollstein, Geschäftsführerin des Max-Weber-Kollegs, sowie des Staatssekretärs für Bildung Dr. Bernd Uwe Althaus vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, eröffnet worden.
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Die Vorträge und Beiträge zur Tagung sind aufgezeichnet worden. In Kürze stellen wir die Videos auf dem YouTube-Kanal der Akademie frei zugänglich zur Verfügung. Im Downloadbereich dieses Artikels finden Sie die Präsentationen der Referierenden als PDF-Dateien.
Podium mit Dr. Friederike F. Spengler (l.), Dr. Sebastian Kranich und Michael Roth(r.) | Foto:EAT
Die Täufer wollten unpolitisch sein, wirkten aber politisch. Dieses Diktum von PD Dr. Astrid von Schlachta trifft den Kern der Tagung „500 Jahre Täuferbewegung. Geschichte – Ethik – Gegenwart“, die vom 14. bis 15. November im Zinzendorfhaus Neudietendorf stattfand. Die Täufer wirkten politisch durch ihre Lebensweise und durch ihre Äußerungen, so von Schlachta weiter. Besonders ihr Eintreten für Gewaltlosigkeit und ihre Distanz zum Staat forderten Letzteren immer wieder heraus.
Dass Gewaltfreiheit und Pazifismus immer eine Herausforderung für die Gesellschaft sind, zeigte ein Streitgespräch von Regionalbischöfin Dr. Friederike von Spengler mit dem langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth, zuletzt Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, zu Krieg und Frieden. Rasch ging es darin um die neue Friedensdenkschrift der EKD, nach der, so von Spengler, der Pazifismus bloß noch eine gesinnungsethische Spielart, ein ‚Ausdruck gelebter Frömmigkeit‚, sein solle, aber keine gewichtige theologische und politische Position mehr. Eine Aufzeichnung in Podcastform folgt.
Der Blick in die Geschichte der Täuferbewegung führte so immer wieder zu grundsätzlichen ethischen Fragestellungen, vom Gestern ins Heute. Dabei ging es etwa um den Gedanken der Gütergemeinschaft, der auch materiellen Solidarität, vor allem aber um die blutige Verfolgung der Täufer einst und die Verfolgung und Unterdrückung von Minderheiten in der Gegenwart. Dass dieses nicht nur unethisch ist, sondern auch dumm, ließ sich einer weiteren Einsicht von Astrid von Schlachta entnehmen: Nonkonformismus bringt Gesellschaften voran, denn er führt in notwendige Auseinandersetzungen hinein.
Eine Forumtheater-Szene wurde in einem Standbild „eingefroren“, um alternative Handlungsvorschläge aus dem Publikum zu besprechen. Foto: (c) Till Baumann
Wie halten wir den Blick nach vorn in einer Zeit, in der Demokratie unter Druck steht? Wie gestalten wir politische Bildung vor dem Hintergrund zunehmender Polarisierung, aggressiver Diskurse und unsicherer Förderbedingungen? Vom 27. bis 29. Oktober 2025 fand der inspirierende und mutmachende Workshop „Politische Bildung in aufgewühlten Zeiten – Theater der Unterdrückten als Reflexionsraum für die Bildungspraxis“ statt. Augusto Boals Theatertechniken haben mittlerweile Tradition an der Ev. Akademie und so versammelten sich um Workshopleiter und Boal-Experte Till Baumann 12 schon erfahrene Teilnehmende aus dem Feld der politischen (Jugend-)Bildung, die mitunter auch weit über Thüringen hinaus, den Weg nach Erfurt ins Bildungshaus St. Ursula auf sich nahmen.
Nach behutsamer Einführung in vertraute, aber auch neue spielerische Theaterübungen und einem Herantasten an den thematischen Schwerpunkt, ging es ans direkte Ausprobieren einiger Methoden aus Boals Repertoire, wie dem „Forumtheater“ oder introspektiver Techniken, wie dem „Regenbogen der Wünsche“ oder dem „Leinwand-Bild“. Stets prozessorientiert wurden konkrete Situationen und reale Fragen und Themen aus dem (Arbeits-)Umfeld der Teilnehmenden aufgegriffen, in der Gruppe besprochen und szenisch aufbereitet. Herzstück und Kernelement der erprobten Techniken war dabei immer, die teilweise starren und ausweglosen Szenen spielerisch zu verändert und aufzubrechen, um alternative Lösungswege vorzuschlagen und im erneuten Spiel einer Situation zu erproben.
Wenn das im echten Leben nur auch so funktionieren würde: Eine schwierige Situation einfach mal einfrieren, innehalten und reflektieren, zurückspulen und sie noch einmal von vorn durchspielen und etwas daran zum Positiven verändern. Das geht natürlich in flüchtigen Alltagssituationen nicht und dennoch waren sich die Teilnehmenden einig: Die intensive gemeinsame Auseinandersetzung mit konkreten Konflikten und die körperliche Erprobung von unterschiedlichen Lösungsansätzen führt zu einem neuen Handlungsrepertoire, auf das sie in ähnlichen Situationen im Alltag zurückgreifen können.
Drei Tage Austausch und Begegnung, Verbindung von Kopf und Körper, Impulse aus einem spannenden Methoden-Mix, neue Perspektiven und gemeinsames Krafttanken. Das Feedback der Teilnehmenden reichte von „Reichen diese Methoden, um damit Wirkung in herausfordernden Zeiten zu erzielen?“ über „Die Methoden Boals begleiten mich seit drei Jahren und sind mittlerweile zu einer Art Lebensschule für mich geworden“ bis hin zu „Ich sehe Hoffnung für die Gesellschaft!“ Workshops dieser Art sind nicht nur Lehrstoff, sondern Erlebnis, nicht nur Fortbildung, sondern Gemeinschaft – und Gemeinschaft trägt. Wer politische (Jugend-)Bildung macht, bekam hier Gelegenheit, aufzutanken, weiterzudenken und neue Wege zu finden.
Als FSJlerin ist Sara (zweite v.r.) auch bei vielen Veranstaltungen dabei, wie etwa bei Projektwochen mit Jugendlichen. Foto: (c) Möller/EAT
Mit dem September beginnt in der Evangelischen Akademie Thüringen auch immer ein neues FSJ-Jahr. Nun bin ich dran! Ich heiße Sara Marie Schläger und bin 19 Jahre alt. Ursprünglich komme ich aus Sömmerda, aber bin für meinen Freiwilligendienst nach Erfurt gezogen. Im Sommer habe ich mit meinem Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium Sömmerda meine Schulzeit abgeschlossen. Für mich war schon recht lange klar, dass ich zwischen Schule und Studium ein Jahr voller Abwechslung brauche, da das Leben sonst nur aus akademischem Lernen besteht. Recht früh suchte ich bei der Landesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung in Thüringen e.V., kurz LKJ, nach einem passenden Freiwilligendienst. Da die LKJ der Träger für FSJs und BFDs im Kultur- sowie Politikbereich ist, war es nur logisch, dass ich dort fündig werden sollte. Also bewarb ich mich und merkte schon beim Kennenlerngespräch: „Das ist es!“.
Wenn ich gerade nicht im Büro sitze, findet man mich beim Chor, denn ich singe schon seit ich klein bin, leidenschaftlich gerne. Auch Kulturangebote wie z.B. Theater genieße ich sehr. Ehrenamtlich bin ich schon seit vielen Jahren aktiv, sei es als Teamerin auf Konfirmand:innenfahrten oder in der Schüler:innenvertretung.
Die ersten drei Wochen vergingen wie im Flug und schon jetzt habe ich viel Neues gelernt, Routinen etabliert und Veranstaltungen begleitet. Primär helfe ich bei Veranstaltungsplanungen und -durchführungen, aber auch bei klassischen Büroaufgaben wie Mails verschicken.
Ich bin schon sehr gespannt auf die anstehende DDR-Projektwoche zu Allersleben in Eisenach, da Jugendbildung mir schon immer Freude bereitet hat. Davor kommt am Donnerstag aber erstmal der FSJ Auftakt-Tag in Erfurt. Dort lerne ich andere FSJler:innen kennen und die Mitarbeitenden der LKJ. Das wird bestimmt gut!
Mit vielen Anekdoten, Musik und auch Tanz wurde am 30.10. Frau Dr. Annika Schreiter von der Evangelischen Akademie Thüringen verabschiedet. Sie nahm direkt im Anschluss am 01.11. ihre neuen Aufgaben als Generalsekretärin der AEJ auf.
Annika Schreiter war fast 13 Jahre in der Akademie tätig: zunächst als Assistenz der Akademieleitung, dann als Studienleiterin für politische Jugendbildung und stellvertretende Direktorin. In zahlreichen Workshops zu Themen wie dem Theater der Unterdrückten, TikTok oder auch Sex and Politics begeisterte sie mit ihrer immer aufgeschlossenen, motivierenden Art unzählige Jugendliche und Multiplikator:innen.
Auch war sie in verschiedensten Gruppen und Gremien, wie der AG Kirche und Rechtsextremismus, der Mitarbeitendenvertretung, dem Netzwerk Demokratiebildung Thüringen, der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung und der Redaktion des Magazins Baugerüsts tätig.
„Es war schon seltsam, als sie am vergangenen Freitag ihren Arbeitsplatz beräumte und manches in den Papierkorb wanderte, anderes weitergegeben oder für die Nachfolge aufgehoben wurde“ fasste Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich in der Andacht zusammen. Doch auch wenn das Büro jetzt leer erscheint, hinterlässt sie der Akademie sehr viel, Sei es der Gamebased Learning- und der theaterpädagogische Ansatz, den sie immer aus ganzem Herzen in die Jugendbildung eingebracht hat, oder das Biografie-Spiel „Allersleben“ über das Aufwachsen in der DDR, welches sie mitentwickelt und bei diversen Projektwochen durchgeführt hat. Aber vor allem ihre Überzeugung, wie wichtig Jugendarbeit ist, und ihre Leidenschaft an so vielen Stellen dafür zu kämpfen, dass diese finanziert und mit den Jugendlichen gemeinsam erarbeitet wird, hallt hoffentlich noch lange in der Akademie wider. Anekdoten wie: „Annika, weißt du noch, als wir eine Erdbebenmaschine gebaut haben?“ aus dem Live Action-Rollenspiel Tiamast zeigen, wie unterschiedlich und unterhaltsam politische Bildung in Thüringen durch Annika Schreiter gestaltet wurde.
Das Team der Akademie wünscht ihr auf der neuen Stelle und in ihrem weiteren Leben alles Gute und Gottes Segen.
Für die Nachbesetzung ist die Stelle der Studienleitung für politische Jugendbildung (m/w/d) an der EAT nun neu ausgeschrieben und man kann sich bis zum 12.11.2025 bewerben.
Die Aufgaben bestehen in Aufbau, Weiterentwicklung und Pflege von Netzwerken unterschiedlicher Akteure im Bereich der Jugendarbeit und der demokratischen Zivilgesellschaft sowie die Planung, Organisation und Durchführung von Bildungsveranstaltungen für Jugendliche und Multiplikator:innen der politischen Jugendbildung. Inhaltliche Schwerpunkte der Jugendbildung an der Akademie sind: Demokratielernen; Politische Medienbildung; Historisch-politische Jugendbildung; Game-based Learning als methodischer Schwerpunkt. Teil der Jugendarbeit der Akademie ist das pädagogische Programm der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach.
Die Stelle hat einen Umfang von 100 Prozent (39 Wochenstunden) und ist befristet für zwei Jahre. Mehr Informationen zur Bewerbung findet man hier. Rückfragen beantwortet der Direktor der Evangelischen Akademie, Dr. Sebastian Kranich (036202/98413) oder für das Bewerbermanagement Frau Rigol-Geißler (0361/51800-182).