Norman Rentrop beim Ethikforum im Roncalli-Haus in Magdeburg. Foto: (c) Andreas Adomeit
Weit verbreitet, aber leider falsch sei die Vorstellung, dass die wohl organisierte Gesellschaft in Deutschland von allein funktioniere. Auch wenn die glänzende virtuelle Welt der Smartphones anderes suggeriere: Das Engagement jedes Einzelnen – ob am Arbeitsplatz, in der Politik oder im Ehrenamt – sei unbedingt notwendig, um die hohe Lebensqualität und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu erhalten. Mit diesem Aufruf beschloss Norman Rentrop, Verleger und Investor aus Bad Godesberg, seinen Vortrag zum Thema „Demut und Verantwortungsübernahme“ beim Ethikforum am 26. August 2016 in Magdeburg. Evangelische, katholische und freikirchliche UnternehmerInnen waren im Roncalli-Haus in Magdeburg zusammen gekommen, um sich mit dem gläubigen Unternehmer über das ethische Fundament wirtschaftlicher Betätigung auszutauschen.
Norman Rentrop hatte bereits mit 18 Jahren seinen ersten Verlag gegründet. Er ist Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer.
Die epd-Dokumentation "Internationale Krisenprävention" ist am 23. August 2016 erschienen.
Zivile Krisenprävention gilt als Schlüsselinstrument zur Überwindung von Gewalt in globalen Krisenregionen und internationalen Beziehungen. Doch Anspruch und Wirklichkeit internationaler Krisenprävention klaffen deutlich auseinander. Angesichts neu entfachter und alter noch immer schwelender Konflikte ist die Eskalation von Gewalt in vielen Regionen der Welt bittere Realität. Die Wirksamkeit von Krisenprävention steht auf dem Prüfstand.
In der am 23. August 2016 erschienenen epd-Dokumentation „Internationale Krisenprävention“ reflektieren zehn Autoren die unterschiedlichen Deutungen und Ambivalenzen des Konzepts, werten Präventionserfahrungen aus und versuchen so auch die Grenzen effektiver Prävention
auszuloten. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung des Konzepts geleistet, der internationale Prävention als essenzielles Instrument auf dem Weg zum gerechten Frieden begreift.
Die epd-Dokumentation macht die Beiträge zugänglich, die während der Tagung „Internationale Krisenprävention“ vom 27. bis 29. November in Neudietendorf vorgestellt wurden und im Rahmen des Projektes „… dem Frieden der Welt zu dienen“ veranstaltet wurde. Die Print- Version der epd-Dokumentation umfasst 60 Seiten und kann für 5,10 € beim Evangelischen Pressedienst bestellt werden.
Internationale Krisenprävention, epd-Dokumentation Nr. 34 (2016). Tagung der Evangelischen Akademie Thüringen in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Neudietendorf 27. – 29. November 2015.
Gemeinsames Denken fällt im sommerlichen Garten des Zinzendorfhauses gleich viel leichter. Foto: (c) Désirée Frahnow
Denken kann anstrengend sein. Foto: (c) Désirée Frahnow
Die Schüler präsentieren ihre Gedanken. Foto: (c) Désirée Frahnow
„Lebenskunst – Lebenskönnerschaft“ ist das Thema einer Projektwoche mit Jugendlichen, die derzeit im Rahmen der „DenkWege zu Luther“ im Zinzendorfhaus Neudietendorf stattfindet. Über 70 Jugendliche der Klassen 11 – 13 der Jenaplanschule Jena arbeiten zu Themen wie „Im Labyrinth des Lebens“, „Lieder vom Scheitern“, „Arbeit ist das halbe Leben“ oder „Lebenskünstler oder Lebenskönner“. Im Mittelpunkt des gemeinsamen Arbeitens steht das Denken. Denken lernen mittels des philosophischen Gesprächs – da ist das Credo auch dieser „DenkWege“-Woche. Es geht nicht um möglichst viel Stoffvermittlung wie in der Schule, sondern darum, im Gespräch das „Denken ohne Geländer“ (Hannah Arendt) zu versuchen und zu üben. Sich darauf einzulassen, dass es auf Fragen auch keine eindeutige bzw. viele Antworten geben kann. Das fällt den Jugendlichen nicht schwer und bestes Spätsommerwetter lässt auch das Denken im Freien zu und gibt diesem Raum – nicht nur symbolisch.
Die „DenkWege“ begleiten die Jenaplanschule Jena schon mehrere Jahre und für die Jugendlichen ist diese erste Schulwoche darum immer ein Ereignis, auf das sie sich schon in den Ferien freuen. „Ich habe nicht gewusst, dass denken so anstrengend sein kann!“ stöhnt da schon mal gelegentlich eine Schülerin oder ein anderer wirft schmunzelnd zum Thema „Erleuchtung“ in die Runde: „Wem nützt es denn, wenn ich leuchtes“. Wunderbares Ergebnis einer der intensiven Gesprächsrunden war zum Beispiel die Frage: „Können wir uns auf das Denken verlassen?“ Die DenkWege-Woche 2016 geht am Freitag zu Ende – das Projektteam freut sich schon auf eine mögliche Fortsetzung im nächsten Jahr.
Akademiedirektor Prof. Dr. Michael Haspel, der die Predigt hielt und Gemeindediakon Dirk Marschall, der den Gottesdienst musikalisch gestaltete. Foto:(c) Karin Marschall
Zusammen mit der Gemeinde wurden u.a. Lieder von Gerhard Schöne gesungen. Foto: (c) Karin Marschall
Segnung der Kinder in der Jakobskirche zu Weimar. Foto: (c) Karin Marschall
Am 14. August 2016 fand in der Jakobskirche zu Weimar ein besonderer Liedergottesdienst statt: Unter dem Motto „Liebesbriefe an Gott“ feierte die Gemeinde zusammen mit Akademiedirektor Prof. Dr. Michael Haspel, der die Predigt hielt. Das musikalische Rahmenprogramm wurde von Dirk Marschall gestaltet und bot neben eigenen Stücken Marschalls vor allem Lieder von Gerhard Schöne zum Mitsingen.
„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
(1. Kor. 13,13) heißt es in einem echten Brief der Bibel, dem viel zitierten ersten Brief an die Korinther, dessen Verse über die Liebe vor allem bei Gottesdiensten anlässlich von Eheschließungen sehr beliebt sind. Doch die darin beschriebene Liebe lässt sich nicht auf die emotionale Sympathie zwischen Liebespaaren reduzieren, betont Haspel in seiner Predigt: „Im Abschnitt zur Liebe im Korintherbrief geht es vor allem um die Liebe, die möglich wird, wenn wir selber Gottes Liebe erfahren. Nächstenliebe nennen wir das.“ Und diese umfasst weit mehr, als die gefühlsmäßige Liebe zwischen Paaren: „Da geht es um Würde und Respekt vor jedem menschlichen Leben als Gottes Ebenbild“, so Haspel.
Mit der Nächstenliebe rückt Gottes Liebe in die Mitte unseres gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Sie wird verstanden als ein helfendes Handeln, das zum Wohle der Mitmenschen geschieht und damit auch den Ärmeren und Schwächeren unter uns ein gerechtes Leben ermöglicht. Schon in den Psalmen im Alten Testament wird auf die enge Verbindung zwischen Liebe und Gerechtigkeit verwiesen: „Gott wird angerufen, dass er in seiner bedingungslosen Zuwendung zu denen, die auf ihn vertrauen, also in seiner Liebe, Recht und Gerechtigkeit für die Armen, Waisen, Witwen und Fremden schaffe“, erklärt Akademiedirektor Haspel.
So findet tätige Nächstenliebe Ausdruck in Barmherzigkeit, die einen respektvollen Umgang miteinander und Mitgefühl möglich macht. Damit geht Nächstenliebe weit hinaus über subjektive Empfindungen und Sympathien gegenüber anderen, denn Nächstenliebe drängt auf gerechte Verhältnisse für alle Menschen. Lesen Sie mehr zum Gottesdienst in einem Artikel der Thüringischen Landeszeitung Weimar.
Wie ist mit Fremdheit umzugehen? Spielende umringen das "fremde Wesen". Foto: (c) Tobias Thiel
Noch wissen die Spielenden nicht, wie sie auf den neuen Gast reagieren sollen. Foto: (c) Romina Nölp
Eine erste Kontaktaufnahme mit dem Wesen verläuft glücklos. Foto: (c) Romina Nölp
Der Hauptmann der Garde mit seinen Getreuen. Foto: (c) Jan Grooten
In der vergangenen Woche fand vom 4. bis 7. August das Liverollenspiel ‚Die Gilden von Tiamast‘ im Alten Pfarrhaus Klöden statt. Es handelte sich dabei um ein Kooperationsprojekt der Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach.
Schauplatz der Handlung war der fiktive Stadtstaat Tiamast, für den eine Geschichte und ein Setting erdacht wurden: „Dabei ging es vor allem darum, die fiktive Handlung in den Kontext zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen zu setzen“, erklärt Jan Grooten, Studienleiter der Jugendbildungsstätte Junker Jörg. So wurde Tiamast also von einem fremden Reich erobert. Seitdem ist es zwar sicherer geworden, doch die neuen Regeln und Gesetze schränken die Bürger in ihrer Freiheit enorm ein. Auch das kulturelle Leben leidet unter den starken Restriktionen. Von der einstigen Vielfalt religiöser und gesellschaftlicher Bräuche ist wenig übrig geblieben. Der Handel ist durch Lizenzen eingeschränkt – Die Bevölkerung ist hin und her gerissen. Schnell bilden sich zwei Seiten: Jene, die das neue Tiamast mit seiner neuen Ordnung willkommen heißen und sich mit der Herrschaft von außen arrangieren. Und jene, die diese neue Ordnung nicht annehmen und Widerstand leisten. Sie wünschen sich das alte, freiere Tiamast zurück!
„So mussten sich die Spielenden stets entscheiden, auf welcher Seite sie sich positionieren wollten und abwägen, ob ihnen Freiheit oder Sicherheit als das höhere Gut galt – eine Frage, die in vielen Konfliktregionen der Welt bittere Realität ist“, betont Grooten. Auch der Umgang mit Fremden wurde im Spiel thematisiert: Am zweiten Tag gesellte sich ein ‚fremdes Wesen‚ auf der Suche nach Obdach zu den Spielenden. Wie im echten Leben gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit dem Fremden zunächst als schwierig. Wieder standen die Spielenden vor einer Entscheidung: Wollten sie lernen, das Wesen zu verstehen, oder sollte es lieber vertrieben werden?
Schließlich schlugen sich alle Spielenden auf die Seite des Widerstands gegen die Obrigkeit und auch dem fremden Wesen wurde eine neue Heimat inmitten ihrer Gesellschaft angeboten. Zum Abschluss erfolgte eine gemeinsame Reflektion, in der die Spielenden über das Erlebte sprachen und mögliche Bezüge des Spiels zu realen Kontexten, wie etwa der Geflüchtetenpolitik, herstellten. Wie es mit Tiamast weitergeht, erfahren wir indes nächstes Jahr: Für 2017 ist eine Fortsetzung des jugendpolitischen Liverollenspiels in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg geplant.
Wie die Mitteldeutsche Zeitung darüber berichtete, lesen Sie hier.
Das Cover des Buches zeigt einen Ausschnitt des Cranach-Altars in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul: Christus als Lamm Gottes, Johannes den Täufer, Lucas Cranach den Älteren sowie Martin Luther (v.links)
Ausschnitt vom Mittelteil des Cranach-Flügelaltars in der Stadtkirche St. Peter und Paul, die in Weimar auch als Herderkirche bekannt ist
In dem soeben erschienenen Buch „Weimar und die Reformation. Luthers Obrigkeitslehre und ihre Wirkungen“ wird die Bedeutung von Luthers Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“ (1523) thematisiert. In seiner daraus entstandenen Obrigkeitslehre definiert Luther das Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Macht neu: Er appelliert an die weltlichen Herrscher, dem Evangelium zu folgen und zur Besserung der Christenheit Verantwortung zu übernehmen. Damit hat Martin Luther maßgeblich dazu beigetragen, dass sich zu jener Zeit bereits erste Anfänge eines durch Staat und Gesellschaft verantworteten Bildungs- und Sozialsystems herausbilden konnten. In zehn Beiträgen wird ein Bogen von der Grundlegung dieser Obrigkeitslehre in Weimar über ihre Wirkung im 17. und 18. Jahrhundert bis hin in die Moderne gespannt.
Die Wirkungen von Luthers Obrigkeitslehre finden nicht nur Gestalt im früh entwickelten Landeskirchentum. Die weltlichen Herrscher übernahmen zu jener Zeit auch die Verantwortung für Bildung, Wohlfahrt und Armenfürsorge. Dies konnte geschehen, indem Kirchengüter für die Unterhaltung von Kirchen, Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen eingesetzt wurden. „Damit steht Weimar zur Zeit des ernestinischen Herzogs Johann und später unter Johann Friedrich und seinen Söhnen für eine beispielhafte Umsetzung des reformatorischen Programms“, betont Prof. Dr. Christepher Spehr, Lehrstuhlinhaber für Kirchengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Neben Spehr sind auch Akademiedirektor Prof. Dr. Michael Haspel sowie Prof. Dr. Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik-Stiftung in Weimar Mitherausgeber der Publikation.
Das Buch ist erhältlich bei der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig. Es geht zurück auf die Tagung „Weimar und die Reformation. Luthers Obrigkeitslehre und ihre Wirkung von Weimar in die Moderne“ vom 24. bis 26. Oktober 2014 in Weimar anlässlich der Lutherdekade zum Thema „Reformation und Politik“.
Christopher Spehr/Michael Haspel/Wolfgang Holler (Hg.): Weimar und die Reformation. Luthers Obrigkeitslehre und ihre Wirkungen. Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig 2016, ISBN: 978-3-374-04278-4, 24,00 EUR