Zu einer dreistündigen Schreibwerkstatt waren am Samstag, den 11. März 2023 insgesamt 18 Personen zusammengekommen, um mit viel Kreativität und Sprachfreude ans Werk zu gehen. Man traf sich in Neudietendorf, und um Neudietendorf als Ort sollte es beispielhaft im gemeinsamen Arbeiten auch gehen, denn das Thema war Ort und Ver(w)ortung. Jedoch stammte nur etwa die Hälfte der Teilnehmenden tatsächlich aus der unmittelbaren Umgebung; andere waren aus größeren und kleineren Städten Thüringens angereist. Das machte den Austausch von vornherein spannend: Wie sieht jemand, der zum ersten Mal in einem Ort ist oder schon lange nicht mehr da war, die Dinge – im Gegensatz zu Menschen, die dort wohnen?
Im ersten Teil des Nachmittags näherten sich die Anwesenden mit kleineren Aufgabenstellungen sowohl an das kreative Schreiben, als auch an die Thematik an. Zum Beispiel erstellten sie Kurzgedichte im Stil von japanischen Haikus, inspiriert von fotografischen Detailansichten aus Neudietendorf, aus deren Fülle jede und jeder ein bis drei auswählen konnte.
Nach einem kurzen Ausflug zur Ortsmitte, bei dem unter anderem der Brunnen auf dem Zinzendorfplatz und seine Vergangenheit in den Fokus rückten, sollten die Teilnehmenden aus der Perspektive eines Gegenstands erzählen: Wenn dieser Brunnen reden könnte, was würde er seinen Besuchern sagen? Beim Vorlesen der Ergebnisse kamen erstaunliche Aspekte zur Sprache. Eine Teilnehmerin ließ auch die Bahnhofsunterführung, an der doch ein Großteil der täglich Ankommenden und Abfahrenden vorbeigehen und die dennoch so unbeachtet ihr Dasein fristet, sprechen; eine andere gab dem zu einem Denkmal fixierten ehemaligen Waidmühlstein eine Stimme, die nachdenklich machte.
Jeder Text, der an diesem Nachmittag erstellt und vorgelesen wurde, war etwas Besonderes und im großen Patchwork der gemeinsam geteilten „Ortsansichten“ ein wichtiger Bestandteil.
Der Sonntag, genauer: der freie Sonntag, ist seit mehr als 1.700 Jahren kein Tag wie jeder andere. Er hat sogar auch einen Tag, einen internationalen. Sie verstehen nicht recht? Dann vielleicht so: Der Internationale Tag des freien Sonntags wird jedes Jahr am 3. März begangen. Der römische Kaiser Konstantin erklärte am 3. März 321 nach Christus den Sonntag erstmals für arbeitsfrei. An der Evangelischen Akademie Thüringen ist dieser Termin mittlerweile zum neunten Mal mit der Ausrichtung der Thüringer Arbeitszeitkonferenz verbunden.
Arbeit und Arbeitszeit geraten in Krisenzeiten mehr und mehr unter Druck. Unter dem Titel „Kalte (Arbeits-)Zeiten? Krisenwinter, Klassenfrage, Konsequenzen“ wurden deshalb auf der diesjährigen Arbeitszeitkonferenz aktuelle Fragen von Arbeitszeit, Arbeitsschutz und Verteilungsgerechtigkeit reflektiert und diskutiert. Traditionell nahmen gesundheitliche und gesellschaftliche Perspektiven auf die Arbeitswelt großen Raum ein.
Eingeleitet wurde die Tagung durch drei Impulsvorträge zu den Themen Ist die Arbeit noch der Kitt der Gesellschaft?, Die Krise trifft alle – aber nicht gleichermaßen und Kommt Zeit, kommt Recht? Die Arbeitszeiterfassung als rechtliche Anspruchsgrundlage. Anschließend diskutierten über 30 Teilnehmende aus Personal- und Betriebsräten, Mitarbeitervertretungen der Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitsschutzbehörden, aber auch Interessierte aus Ehrenamt und zivilgesellschaftlichen Organisationen mit den Referent:innen.
Gemeinsame Workshops boten genügend Zeit und Raum zur fachlichen und persönlichen Reflexion. Dabei wurde die Praxis- und Ergebnisorientierung nicht vernachlässigt. Eines der Ziele war die Erarbeitung zentraler Fragen an die Politik, mit denen die Teilnehmenden in offener Atmosphäre aktiv und direkt auf ein Podium mit Gästen aus der Thüringer Landespolitik zugingen. Rede und Antwort standen Diana Lehmann (SPD), Ann-Sophie Bohm (Bündnis 90/Die Grünen) und Ralf Plötner (Die Linke). CDU und FDP entsandten trotz Einladung keine Vertretung. Die Thüringer Arbeits- und Sozialministerin Heike Werner (Die Linke) hielt im Vorfeld des Podiums einen Vortrag und stand ebenfalls für Fragen zur Verfügung.
Die debattierten Inhalte der Arbeitszeitkonferenz 2023 waren breit gestreut. Das betraf schon den Arbeitsbegriff als solchen: Neben der bekannten lohnorientierten Erwerbsarbeit kamen auch andere Arbeitsformen zur Sprache, die meist wegen fehlender Bezahlung nicht als „ökonomisch“ gelten. Diese haben jedoch eine grundlegende Bedeutung für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. In Erziehung, Ehrenamt und freiwilligen sozialen Diensten bis hin zu Vereinen und Verbänden herrscht die Sorgearbeit vor. Viele Teilnehmende kritisierten nicht nur die nach wie vor bestehende Benachteiligung von Frauen in der (Erwerbs-)Arbeitswelt. Zunehmend gerate auch das Ansehen von ehrenamtlicher Arbeit für das Gemeinwesen unter Druck, was sich nicht zuletzt in gewaltsamen Angriffen gegen Feuerwehr und Rettungsdienste zeige und sich in mangelnder materieller Anerkennung und Ausstattung niederschlage.
Daran anschließend war die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in krisenhaften Zeiten ein weiteres wichtiges Thema der Konferenz. Ministerin Heike Werner brachte in ihrer Gastrede neben dem treffenden Begriff „Stapelkrise“ auch den grundlegenden Wandel zur Sprache, vor dem Wirtschaft und Gesellschaft stünden. Diese sozial-ökologische Transformation bringe zwar angesichts sozialer Verteilungsungerechtigkeit und ökologischer Belastungen durch die Klimakrise große Herausforderungen mit sich, sei aber auch eine Chance, sich der Bedeutung von Werten jenseits von Erwerbsarbeit und Konsum bewusster zu werden. Den Phänomenen der Entsolidarisierung und Individualisierung in der Gesellschaft hielt sie den gemeinsamen Schutz der Lebensgrundlagen und soziale Gerechtigkeit entgegen. In diesem Sinne begrüßte sie Zusammenschlüsse von Klimabewegung und Gewerkschaften. Am gleichen Tag traten diese erstmals in Gestalt von Fridays for Future und der Gewerkschaft ver.di deutschlandweit in Erscheinung.
Über allen Diskussionen der Arbeitszeitkonferenz stand das umstrittene Zitat des Hauptgeschäftsführers der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter: „Wir brauchen mehr Bock auf Arbeit“, verbunden mit der Ansage: „Die Realität ist: Wir werden länger arbeiten müssen – das braucht unser Land“. Diese kürzlich in Reaktion auf die Krisen der Zeit geäußerten Worte aus Arbeitgeberkreisen hatte Studienleiter und KDA-Referent Frank Fehlberg zur Eröffnung der Arbeitszeitkonferenz in den Raum gestellt. Sie waren auf lautes Auflachen und Ablehnung gestoßen.
Im Laufe der Arbeitszeitkonferenz verfestigte sich die Auffassung, dass der Äußerung Steffen Kampeters entgegengetreten werden müsse. Die anwesenden Landesallianzen für den freien Sonntag in Sachsen-Anhalt und Thüringen – ihrerseits Interessengemeinschaften von Kirchen und Gewerkschaften – forderten statt dem verkürzenden „mehr Bock auf Arbeit“ mehr „Bock auf Gute Arbeit“, gepaart mit „mehr Zeit zum Leben, Lieben und Lachen“. Sie sprachen sich gegen Arbeitszeitentgrenzung und Arbeitszeitverlängerungen aus und zeigten sich entschlossen, die Bestimmungen des Arbeitsschutzes – nicht nur für den freien Sonntag – zu verteidigen, durchzusetzen und auszubauen.
Ministerin Heike Werner kritisierte die Forderungen Steffen Kampeters vom BDA ebenfalls. In ihrer Rede, gehalten am eingangs genannten Internationalen Tag des freien Sonntags 2023, stellte sie sich unmissverständlich an die Seite der Sonntagsallianzen: „Die Transformation kann nur erfolgreich gelingen, wenn sie sozial und ökologisch gerecht gestaltet wird. Gerade in diesen Zeiten ist es sehr bedenklich, wenn man den Menschen unterstellt, dass sie keinen Bock auf Arbeit hätten und erneut das Arbeitszeitgesetz oder Ladenöffnungsgesetz angreift.“
Was haben Avatare und verlorene Schafe gemeinsam? Beide waren die Hauptprotagonisten unserer Bildungsmodule, die am vergangenen Wochenende in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach stattgefunden haben. Insgesamt 20 Konfirmand:innen beschäftigten sich in zwei parallelen Workshops mit „Luthers Bibelübersetzung“ und dem Thema „Ich und mein(e) Doppel“.
Nach einer lustigen Vorstellungsrunde mit verschlüsselten Vornamen gingen die Jugendlichen den Fragen auf den Grund: Wozu braucht man eigentlich Übersetzungen? Wie übersetzt man einen Text? Wo liegen die Probleme bei der Erstellung einer Übersetzung? Danach ging es in medias res, denn in Kleingruppen wurden englische Lieder übersetzt – und das ohne einen Online-Übersetzer. Im Anschluss betrat Luther die Workshop-Bühne und erzählte in einem Kurzfilm aus seiner Zeit auf der Wartburg, in der er die Bibel übersetzte. Mit diesem erlernten Wissen kam nun das verlorene Schaf ins Spiel. Die Konfirmand:innen übersetzten auf kreative Art und Weise das Gleichnis vom verlorenen Schaf in eine Märchengeschichte, in eine Bildergeschichte, ein Bodenbild und in einen coolen Rap. Die Feedback-Runde fasste den Vormittag zusammen: „Ich bin viel besser in Englisch, als ich dachte“, „Das hat richtig Spaß gemacht“ und „Eisenach lebt“.
Im parallelen Avatar-Workshop drehte sich alles um die Frage nach dem eigenen Ich anhand von Avataren. Ursprünglich bezeichnete der Begriff göttliche Repräsentationen auf Erden. Heute sind damit meist menschliche Repräsentationen in digitalen Umgebungen gemeint wie Computerspielfiguren, Chat-Icons oder Profilbilder in Sozialen Online-Netzwerken. Das Schöne an Avataren ist, dass der Repräsentation der Identität kaum Grenzen gesetzt sind und so erdachten sich die Teilnehmenden Avatare, die von einer faulen Katze bis hin zur starken Kriegerin reichten.
Die Bildungsmodule können von allen Gästegruppen in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach gebucht werden und werden von den Jugendbildner:innen durchgeführt. Wenn Sie Interesse haben, sprechen Sie uns gerne an!
„Ich lebe auf der Erde, / weil ich hier sterben werde. / Mach nicht so’n Gesicht, / als stürbest du hier nicht.“ (Stephan Krawczyk)
Doch wie kann das gehen? In ihren Ausführungen über die Todesangst führte Dr. Jutta Kranich-Rittweger aus: Diese Angst sei nichts Pathologisches. Sie gehöre zum Menschsein dazu. Denn, so die Theologin und Psychologin/Psychotherapeutin, Paul Tillich zitierend: „Existenz schließt Endlichkeit ein, und Angst ist das Gewahrwerden der eigenen Endlichkeit.“ Einen völlig angstfreien Menschen gebe es daher nicht. Dennoch sei es möglich, auch jene Angst zu reduzieren – vermittels aktiver Auseinandersetzung.
Frauen wie Männer, jüngere wie ältere Menschen waren am 24. und 25. Februar nach Neudietendorf gekommen. Bei der auf 24 Gäste begrenzten Tagung „Mein Umgang mit der (Un-)Endlichkeit. Angst- und Hoffnungsbilder im Gespräch“ entstand in Vorträgen, Diskussionen und vor allem in zwei Gesprächsgruppen ein offener und geschützter Raum. Von frühen eigenen Erfahrungen mit Sterben und Tod in der Kindheit bis hin zu Erfahrungen, die noch nicht lange zurückliegen und schwer lasten – alles konnte zur Sprache kommen.
Ein Teilnehmer resümierte das mit den Worten: „Der Tod verbindet uns doch alle. Warum heben dann viele die Hände und wehren ab, wenn darüber geredet wird? Eigentlich kann man doch am besten miteinander darüber reden, wie wir es hier machen. Es ist gut, dass es diesen Raum dafür hier gibt.“
Im Erzählen von Geschichten wurden Verlusterfahrungen geteilt. Im Austausch über Gefühle und Bilder der Angst wie der Hoffnung wurde deutlich: In Bildern lassen sich Gefühle ausdrücken, seien es alte und biblische Bilder, seien es eigene. Bilder eröffnen zugleich Perspektiven. Man kann von einem zu anderen gehen, wie in einer Galerie, ohne etwas oder sich selbst komplett festlegen zu müssen. Bilder und Vorstellungen über den Tod hinaus sind eine kreative Chance, aber kein Muss. Dazu ein anderer Teilnehmer: „Ich muss mir das, was nach dem Tod kommt, nicht ausmalen. Es wird gut sein, es wird schön sein. Das reicht mir.“
Der heimliche Star der Tagung war ein Sträußchen Schneeglöckchen, gepflückt auf dem Gottesacker, dem Friedhof der Brüdergemeine. Als kleines grün-weißes Zeichen christlicher Hoffnung stand und leuchtete es im Blickfeld bei Vortrag und Diskussion, bei Abend- wie Morgenandacht, bis hin zum Reisesegen.
Die Welt ist voller Probleme, sagen die einen. Sie ist auch voller Lösungen, sagen die anderen. In ihrem Dokumentarfilm „Tomorrow“ (Frankreich, 2015) zeigen Mélanie Laurent und Cyril Dion, wie engagierte Menschen überall auf der Welt ihre Ideen für eine lebenswerte Zukunft in die Tat umsetzen und mit Projekten in Landwirtschaft, Energie- und Abfallwirtschaft, Bildung und Kommunalpolitik nachhaltig Veränderungen bewirken. Die Beispiele reichen von Island bis Indien und sie sind so unterschiedlich wie die Orte selbst. Doch egal, ob es sich um städtische Radwege, Permakultur oder eine Bürgermeisterakademie handelt, sie haben eines gemein: Mut zu machen, einen konstruktiven Beitrag dafür zu leisten, dass die von etlichen Wissenschaftlern getroffene Vorhersage des Zusammenbruchs unserer Zivilisation im Laufe der nächsten Dekaden sich nicht bewahrheitet.
Beim ersten Augustinerfilmtermin in diesem Jahr am vergangenen Montag, den 27. Februar, waren 49 Menschen im Augustinerkloster zu Erfurt zusammengekommen, um sich sowohl mit dem gezeigten Film als auch dessen Prämissen auseinanderzusetzen. Dabei kam immer wieder ein nicht zu unterschätzender Faktor zur Sprache, der sich nach einer Legende aus Amazonien auch der Kolibri-Faktor nennen lässt. Unter anderem hat dieser die beiden Filmemacher zu ihrer Recherche bewegt. Zusammengefasst geht es darum, dass der kleine Kolibri-Vogel bei einem verheerenden Waldbrand nicht wie die anderen Tiere des Waldes resigniert zusieht, wie alles verbrennt, sondern sich sogleich zum nächsten Fluss begibt und tropfenweise Wasser zum Feuer transportiert. Auf die Nutzlosigkeit seines Einsatzes angesprochen, antwortet er, dass er wenigstens seinen Beitrag geleistet haben will.
So wurden dann auch bei dem an die Filmvorführung anschließenden Publikumsgespräch weitere Möglichkeiten genannt, Beiträge zu leisten, die im Kleinen große Wirksamkeit entfalten können, wenn sich viele beteiligen. Aber auch gescheiterte Unternehmungen wurden von den Anwesenden nicht verschwiegen, denn nicht immer wird die Initiative von Einzelpersonen von Verwaltungen unterstützt. Letztendlich können Lösungen nur dann gelingen, wenn das zivilgesellschaftliche Engagement und politische Entscheidungen sich positiv verzahnen.
Der nächste Augustinerfilm – eine Kooperation des Medienzentrums der EKM, des Augustinerklosters zu Erfurt und der Evangelischen Akademie Thüringen – wird am Montag, den 20. November gezeigt.
Wer (politische) Bildungsarbeit macht, kennt das Problem: Zu den eigenen Veranstaltungen kommen oft dieselben Menschen, die sich ohnehin für das Thema interessieren und engagiert sind. Neue Zielgruppen zu erreichen ist schwer. Und wenn dies gelingt, verliert man mit den dafür nötigen neuen Methoden und Veranstaltungsorten schnell das Stammpublikum.
Die Forschungs-NGO More in Common, die zivilgesellschaftliche Akteure mit Forschung und Beratung unterstützt, hat dieses Phänomen in der Studie Begegnung und Zusammenhalt untersucht. Bei einer Online-Veranstaltung der EAT zusammen mit dem Netzwerk für Demokratiebildung Thüringen wurde diese vorgestellt und mit Akteuren aus der Bildungsarbeit diskutiert.
Zentrale Erkenntnis der Studie ist eine Dreiteilung der Gesellschaft: Es gibt die „gesellschaftlichen Stabilisatoren“, die sich viel einbringen und beruflich wie privat Gesellschaft gestalten. Dann gibt es die „gesellschaftlichen Pole“, die sich in die sehr liberalen „Offenen“ und die systemkritischen bis -misstrauischen „Wütenden“ teilen. Und es gibt das „unsichtbare Drittel“. Dazu gehören Menschen, die sich aus Pragmatismus oder Enttäuschung aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgeklinkt haben. Sie interessieren sich wenig für politische Themen und wollen sich gar nicht mit Menschen auseinandersetzen, die eine andere Meinung haben als sie selbst. Veranstaltungen, die Wörter wie Diskussion oder Begegnung im Titel haben, schrecken sie ab. Um dieses „unsichtbare Drittel“ zu erreichen, so Referentin Sarah Wohlfeld, müssen niedrigschwellige Formate her, die Begegnung ohne Kontroversen auf Augenhöhe ermöglichen – am besten beim gemeinsamen Tun, wie Handwerkern oder Gärtnern. Doch genau darin liegt das Dilemma: Denn politische Bildung setzt Perspektivwechsel voraus, die vielfach durch Begegnung möglich werden, allerdings ist Begegnung noch nicht genug, um ihre Bildungsziele zu erreichen.
Zu diesem Dilemma gab es in der Online-Diskussion reichlich Austausch. Letztendlich muss jede:r selbst für die eigene Bildungsarbeit entscheiden, wo die Ziele liegen und ob eventuell Begegnung an sich schon lohnenswert genug ist. Die Studie bietet dazu in jedem Fall eine gute Grundlage.