Der eine ist Pfarrer in Gera, leitet die dortige Ökumenische Akademie und hat 2018 in der Stadt eine vielbeachtete Gesprächsreihe zu Themen der AFD organisiert – auch mit AFD-Politikern.
Der andere ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie zu Berlin, hat das Brandenburger Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geleitet und 2019 das „Kirchenpapier“ der Thüringer AFD-Landtagsfraktion kritisiert, u.a. mit den Worten: „Aus dem christlichen Gott macht sie einen nationalen Götzen.“
Dr. Frank Hiddemann und Heinz-Joachim Lohmann, beide trafen sich für den Mitarbeitendentag der Propstei Eisenach-Erfurt am 10. Juni 2020 zum Gespräch mit Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich und Pfarrerin Claudia Neumann vom EKM-Gemeindedienst.
Wie ist die Lage vor Ort? Warum ist es, wie es ist? Und: Was können wir tun? Diese Fragen zur AFD und zum Rechtspopulismus standen im Mittelpunkt der Diskussion.
Die 73-minütige Videoaufzeichnung können Sie hier sehen.
Das Team der EAT auf Klausur in Bamberg im Juli 2026. Foto: (c) EAT
An Kommunikation und entsprechenden Kanälen mangelte es den Teammitgliedern der Evangelischen Akademie Thüringen während des Corona-Lockdowns nicht: im zweitägigen Rhythmus besprach man sich in Online-Meetings; zusätzlich fanden Telefonkonferenzen von Home-Office zu Home-Office statt, und das alles klappte den Umständen entsprechend sehr gut. Erstmalig physisch traf man sich in großer Runde wieder zur alljährlichen Team-Klausur vom 8. bis 9. Juni, diesmal allerdings mit verkürztem Programm und als „Heimspiel“ am Akademiestandort Neudietendorf.
Zunächst gab es viel zu berichten aus den letzten Arbeitswochen: von Bildungsrunden, Zoom-Konferenzen, neuen Projekten und Testläufen digitaler Formate bis hin zur Lage der Tagungshäuser und den dynamisch wechselnden Bedingungen für Präsenzveranstaltungen. Darauf schloss die wichtige Frage an, wie die nächsten Wochen gestaltet werden können. In dieser Zeit des Übergangs ist einiges – mit den nötigen Vorkehrungen – wieder möglich, doch bei größeren Tagungen oder Freizeitangeboten für Jugendgruppen vor Ort ist weiterhin Vorsicht geboten. Flexibilität will da gleich miteingeplant sein, und das verdoppelt gewissermaßen den Vorbereitungsaufwand: Die Mitarbeitenden organisieren eine Veranstaltung und bedenken gleichzeitig spontan notwendig werdende Änderungen mit.
Konkret setzte sich das Team deshalb mit dem gesteigerten technischen Bedarf auseinander. Wie können wir Veranstaltungen medial begleiten und für das Netz aufbereiten, um ein breites Publikum zu erreichen? Welche Fortbildungen und Hilfen, aber auch welche Geräte und Tools brauchen wir dafür? Und vielleicht eine der wesentlichsten Fragen: Wie zeigen wir unser evangelisches Profil, wie transportieren wir den Geist der Akademieveranstaltungen ins Netz? Dieses Thema wird bleiben, nicht nur aufgrund von Corona, sondern generell im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft.
Am Ende des zweiten Tages wagte sich der Blick weit vor ins Jahr 2021, unter anderem auf den Schwerpunkt „Jubiläumsjahr Junker Jörg“, der nicht nur die Politische Jugendbildung begleiten, sondern auch andere Studienbereiche mit kirchengeschichtlichen Themen beschäftigen wird.
Eines wurde während der Klausur durchweg deutlich: In unserer Arbeit sind wir trotz unterschiedlichster Aufgaben und Themenschwerpunkten als Team geistig miteinander verbunden – daran kann auch die derzeit gebotene physische Distanz nichts ändern!
Für die Politische Jugendbildung der Evangelischen Akademie Thüringen in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach wird ab 1. September 2020 eine Tagungsassistenz gesucht!
Die Stelle hat einen Umfang von 50 Prozent (20 Wochenstunden) und ist als Elternzeitvertretung befristet auf voraussichtlich 24 Monate. Voraussetzung ist eine Ausbildung zum/zur Veranstaltungskaufmann/frau, Bürokaufmann/frau, Kaufmann/frau für Bürokommunikation oder ein vergleichbarer Abschluss.
Die Arbeitsaufgaben umfassen unter anderem die Unterstützung der Studienleitung der Jugendbildung in der Vor- und Nachbereitung und bei der Durchführung von Veranstaltungen mit Jugendlichen und Erwachsenen, sowie administrative Aufgaben und projektbezogene Recherchen.
Mitbringen sollte man unter anderem folgende Fähigkeiten: Professioneller Umgang mit MS Office-Anwendungen (vor allem Word und Excel), Textsicherheit sowohl im mündlichen als auch im schriftlichen Sprachgebrauch, Projektmanagement einschließlich Finanz- und Terminüberwachung, sowie Erfahrung und Freude am Umgang mit Jugendgruppen. Erwartet wird die Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten (gelegentlich an Wochenenden und Abenden) und einem Präsenztag pro Woche in der Evangelischen Akademie in Neudietendorf (der Hauptdienstsitz ist in Eisenach). Auch sollte man dazu bereit sein, das christliche Profil der Einrichtung mitzutragen.
Die detaillierte Stellenausschreibung, die gerne an potentielle Interessierte weitergeleitet werden darf, finden Sie hier.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unsere Geschäftsführerin Frau Dolny (Tel. 036202/ 984-13).
Wir freuen uns auf Bewerbungen bis zum 2. Juli 2020 und sind schon gespannt, wer ab September den derzeit vakanten Schreibtisch besetzen und unser Team unterstützen wird!
Die Sommerakademie bringt mehr als 100 junge, an ökonomischen und gesellschaftlichen Zukunftsfragen Interessierte aus Deutschland mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt zusammen. Bild: Logo der Sommerakademie
In den vergangenen Jahren trafen sich jeweils gut einhundert junge Leute – Studierende, Nachwuchswissenschaftlerinnen, Dozenten und Berufstätige – im malerischen Gelände des Zinzendorfhauses, um unterschiedliche Denkschulen kennenzulernen und so die Vielfalt ökonomischen Denkens für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaftspolitik zu erschließen. In diesem Jahr wird die Sommerakademie rein virtuell stattfinden. Dadurch ergeben sich ganz neue Perspektiven für die Veranstaltung. War es in den vergangenen Jahren kaum möglich, Interessierte aus dem globalen Süden einzuladen, ist jetzt eine stärkere internationale Beteiligung denkbar. Erstmalig wurde in diesem Jahr in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung ein Programm aufgelegt, um junge Menschen aus Ländern des Globalen Südens die Teilnahme zu ermöglichen. Auch werden alle Vorträge und Podiumsdiskussionen im Abendprogramm als Webinare öffentlich zugänglich sein.
Wirtschaft neu denken! Dies ist auch im vierten Jahr das Anliegen der Sommerakademie. Es soll darum gehen, wirtschaftliche Zusammenhänge ohne Scheuklappen zu analysieren und Gestaltungsmöglichkeiten zu erschließen. In Wissenschaft, Politik und Unternehmen herrscht die Lehrmeinung der neoklassischen Schule vor – obwohl daran gezweifelt werden darf, ob sie komplexe ökonomische Effekte und Krisenphänomene ausreichend erklären kann. Daher soll die Sommerakademie den Alternativen Raum bieten. Unter dem Motto „Mainstream Economics Sold Out? Exploring Ways into Sustainable Futures“ werden zudem Fragen der Dekolonialisierung von wirtschaftlichen Abhängigkeitsprozessen sowie die UN-Nachhaltigkeitsziele diskutiert.
Kein ausschließliches Problem der älteren Generation: Auch zunehmend jüngere Menschen fühlen sich einsam. Foto: pixabay
„Die Kirche hat in dieser Zeit Hunderttausende Menschen allein gelassen. Kranke, Einsame, Alte, Sterbende“, sagte die ehemalige Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht Mitte Mai. Damit erntete sie heftigen Protest. Wenngleich ihr Vorwurf allzu pauschal und die Adressatin nicht unbedingt die richtige war, so berührte er doch einen schmerzhaften Punkt: Das einsame Sterben in Zeiten von Corona und die auf die Dauer unerträgliche Isolation der Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen unter Maßgabe von Infektionsschutzbestimmungen.
Isolation, Alleinsein und Einsamkeitsgefühle: Darüber wird jetzt sehr viel kommuniziert. Mehr noch als Ende Februar, in der Zeit „vor Corona“, als in Neudietendorf eine gut besuchte Tagung zum Thema „Einsamkeit“ stattfand. Denn auch jüngere Menschen und Singles geraten nun in den Fokus. Noch ist nicht abzusehen, welche psychischen und sozialen Folgen das „Großexperiment“ der Einschränkung (physischer) Kontakte, das etwa in Spanien noch härter abläuft, haben wird. Auch wenn der Höhepunkt der Einschränkungen (vorerst?) hinter uns liegt. Einsamkeit erscheint mittlerweile selbst kurzum als „Seuche“ (DER SPIEGEL, 16.05.2020) oder als ein hochansteckender Virus.
Dieser veränderten Situation trägt die Ausgabe der epd-Dokumentationen im ersten und letzten Beitrag Rechnung: Sie wurden unter dem Eindruck der Corona-Krise neu geschrieben bzw. auf diese hin umgestellt. Gerahmt davon werden die Beiträge der Tagung im Februar dokumentiert, die ihre Gültigkeit behalten:
Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich beschäftigt sich mit Einsamkeit in Corona-Zeiten und beschreibt die Pole der Einsamkeitsdebatte im gesellschaftspolitischen Spannungsfeld seit 2018. Der Psychologe Dr. Marcus Mund (FSU Jena) plädiert für Begriffsklarheit und unterscheidet zwischen a) sozialer Isolation als objektivem Mangel an sozialen Beziehungen, b) Einsamkeit als subjektiv negativ empfundenem Gefühl, c) Alleinsein als subjektiv positiv empfundenem Gefühl. Dr. Janosch Schobin (Universität Kassel) bestätigt als Soziologe den Forschungsstand der Psychologie: Anders als oft vermutet gibt es über lange Jahre hin keine messbare Zunahme von Einsamkeit als Gefühl in Westeuropa. Seine These: Moderne Gesellschaften machen (noch) nicht einsamer. Schließlich steuert der ehemalige Mönch und Politikwissenschaftler Dr. Dr. Bernhard Heider (Universität Regensburg) seine – auch Corona-aktuellen – Erfahrungen und philosophisch-theologischen Reflexionen bei.
Publikation:
„Einsamkeit“. Beiträge einer Tagung der Evangelischen Akademie Thüringen vom 21. bis 23. Februar 2020 – mit krisenbedingten Erweiterungen unter dem Eindruck von Corona
Dr. Sebastian Kranich: Getrennt und doch verbunden: Einsamkeit in Corona-Zeiten
Dr. Sebastian Kranich: Spinnen die Briten? Einsamkeit als gesellschaftspolitisches Problem
Dr. Marcus Mund: Psychologie der Einsamkeit
Dr. Janosch Schobin: All The Lonely People? Warum uns moderne Gesellschaften (noch) nicht einsamer machen
Dr. Dr. Placidus Bernhard Heider: Die Stille der Einsamkeit – zwischen Not, Möglichkeit und Erfüllung – Mit einer Umstellung auf aktuelle Fragen zu Tod und Einsamkeit in Zeiten einer Krise
Bei einem Kaffee über Gesellschaft reden - das ist wichtig für den Austausch, digital wie analog. Foto: Chris Montgomery/unsplash
Wer in den vergangenen Wochen in der Bildungsarbeit tätig war, sah sich – wie so viele – sicherlich vor allem zwei Herausforderungen gegenüber: Soziale Distanz wahren und gleichsam neue digitale Formate und Wege ergründen, damit umzugehen. Trotz oder gerade wegen der Distanz und des Abstandhaltens ist das Bedürfnis nach gegenseitigem Austausch darüber enorm hoch, wie Bildung und gemeinsames Arbeiten in Zeiten wie diesen gedacht, ermöglicht und neu organisiert werden kann. Die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) hat dazu das Format „Auf einen Kaffee mit…“ ins Leben gerufen: Zu einem ausgewählten Thema treffen sich die Teilnehmenden digital und kommen mit Expertinnen und Experten und untereinander ins Gespräch. Meist am Freitagvormittag und in je 75 Minuten bringt die Runde so aktuelle Entwicklungen und neue Ideen für die Online-Arbeit auf den digitalen Kaffeetisch.
Den Auftakt machte Ende März ein Gespräch mit Thomas Krüger, dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, zur Frage: Wie soll politische Bildung in der Coronakrise gestaltet und zukunftsfähig gemacht werden? Welchen Herausforderungen, aber auch Chancen begegnet sie? Medienpädagogin Kristin Narr berichtete von ihren Erfahrungen mit Online-Formaten und den Einsatzmöglichkeiten von MOOCs, also digitalen Kursen, in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Diese bieten Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, Lern- und Workshopinhalte zeitversetzt wahrzunehmen, wenn es gerade in den Terminkalender passt.
Mit Aladin El-Mafaalani, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück, sprachen die Teilnehmenden über Freiheiten, aber auch die Verfestigung von Strukturen der Ungleichheit, die mit digitalen Formaten und den Corona-bedingten Einschränkungen des Bildungssystems einhergehen. Insbesondere für Grundschulkinder, die die Kulturtechniken gerade erst lernen, seien die Auswirkungen der temporären Schulschließungen noch lange zu spüren, so El-Mafaalani. Anders als in der Schule haben sie Zuhause grundverschiedene Vorbedingungen für Bildung, die derzeit noch stärker als ohnehin schon von den Eltern abhingen.
Weitere Themen der digitalen Kaffeerunde umfassten unter anderem Fragen nach Zivilcourage und Gegenrede im Netz, Demokratielernen online oder praktische Tipps zur Realisierung von Webvideos und Podcasts. Die Übersicht über aktuelle Termine, Themen und Anmeldemöglichkeiten sowie eine Playlist von Mitschnitten vergangener Episoden finden sich auf der Website der et.