Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
Schöne Blumen der Vergangenheit.
Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
Und das alte Lied von Gott und Christ
Bebt durch Seelen und verkündet leise,
Dass die kleinste Welt die größte ist.
(Joachim Ringelnatz)
Das Team der Evangelischen Akademie Thüringen wünscht Ihnen für das Weihnachtsfest besinnliche Stunden, gesegnete Feiertage und allzeit viel Freude!
Kurz vor den Feiertagen hieß es in der Akademie Abschied nehmen: Monika Gräf, Sachbearbeiterin für Personal und Finanzen, ging nach 20 verdienstvollen Jahren in den Ruhestand. Am 12. Dezember fand die offizielle Verabschiedung im Zinzendorfhaus statt. Am 18. Dezember war nun ihr letzter Arbeitstag gekommen. Mit diesen Worten verabschiedete sie sich vom Team:
„Mein Arbeitsweg führt mich seit Mai 1999 mach Neudietendorf durch das Zinzendorfhaus in das Büro der Evangelischen Akademie Thüringen. Auf diesem Weg bin ich vielen Menschen begegnet, es ist viel passiert, Höhen und Tiefen wurden beschritten. Beim Blick zurück passt zu meinen Überlegungen und Erkenntnissen sehr gut der Refrain von einem Lied von Udo Lindenberg:
‚Doch wenn ich noch mal von vorne starten könnte
wenn ich in meinem Film noch mal
alles, alles neu schreiben könnte
was würde ich ändern und was rausschmeißen
so’n Leben ist ja echt ein ziemlich harter Streifen
Ich würd alles so lassen und gar nix raus tun
denn so’n blaues Auge gehört ja irgendwie dazu.‚
Ab Januar werde ich dann andere Wege gehen. Dabei wird mich auch weiterhin das Losungsheftchen begleiten. Wenn mir darin eine Bibelstelle oder ein Spruch gefällt, mich anspricht, mich oft den ganzen Tag begleitet, mache ich einen Knick in die Seite um ihn nach Bedarf wiederzufinden. So wie bei diesem Spruch von Arno Pötzsch:
‚Was mir bestimmt ist, weiß ich nicht, kenn Anfang noch nicht Ende
doch stell ich mich voll Zuversicht getrost in Gottes Hände.
Da weiß ich mich zu aller Zeit ganz wie ein Kind geborgen.
Des Vaters Güt und Freundlichkeit wird mich gar wohl versorgen.‚“
Das Team der Akademie dankt Monika Gräf für über 20 Jahre, in denen sie die Akademie vielleicht leise und oft im Hintergrund, aber immer ganz wesentlich mitgestaltet hat. Für Ihren Ruhestand wünschen wir Gottes Segen!
„Es hat mich total überrascht, dass es mir so viel Sicherheit gibt, wenn meine Filterblasen geschlossen sind“, sagte eine Teilnehmerin des Workshops „Bubble Crasher“ am vergangenen Mittwoch. Dr. Annika Schreiter stellte das Jugendprojekt Bubble Crasher – Raus aus der Filterblase bei der Tagung „Rechtspopulismus schadet der Seele“ in den Hoffmanns Höfen in Frankfurt am Main vor und lud dazu ein, einzelne Methoden auszuprobieren.
Im Projekt geht es darum, die eigenen Kontexte oder auch Filterbubbles zu finden und zu beschreiben, um sie dann ganz bewusst zu verlassen und die Meinungen und Lebenswirklichkeiten anderer kennenzulernen. Dabei geht es nicht darum, andere von der eigenen Sichtweise zu überzeugen, sondern erst einmal zu verstehen, warum andere Menschen ganz andere Ansichten haben, wie sie dies begründen und was das für ihren Alltag bedeutet. Im Workshop wurden daher eigene Filterblasen spielerisch erkundet und im Anschluss daran geübt, wie man eine zuhörende Haltung entwickelt und gut mit anderen ins Gespräch kommt.
Auf der einen Seite erkannten die Teilnehmerinnen, dass die eigenen Filterblasen oft unflexibler und geschlossener sind, als sie es vermutet hätten. Zum anderen hielten sie zum Abschluss fest, dass es so einfach ist, im Alltag mit Menschen ins Gespräch zu kommen: In der Straßenbahn, an der Supermarktkasse oder im Büro – es ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, Sichtweisen kennenzulernen, zuzuhören und somit gesellschaftliche Spaltung im Kleinen zu überwinden.
Gleichzeitig kann nur Zuhören und Verstehen nicht der einzige Weg sein. In den anderen Workshops der Tagung wurde u.a. über rechte Jugendkulturen, rechtspopulistische Strategien in Parlamenten oder Texte der Neuen Rechten gesprochen. Hier gilt es, Gedankengut zu identifizieren, klar zu benennen und Haltung zu beziehen – als Kirche und als Einzelperson.
Die Tagung war eine gemeinsame Veranstaltung der BAG Kirche und Rechtsextremismus, der Evangelischen Jugendsozialarbeit, der Bundesakademie für Kirche und Diakonie sowie der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung.
Für die erwartungsvollen Gäste, die am Donnerstagabend zum dritten Literarischen Salon im Internationen Begegnungszentrum in Erfurt zusammengekommen sind, gibt es zunächst eine Warnung: Exotische Tiere können die Lesung kreuzen! Und tatsächlich wimmelt die erste Erzählung, die der aus Prag angereiste Autor Michal Ajvaz in Auszügen aus dem tschechischen Original und seine Übersetzerin Veronika Siska auf Deutsch in Gänze vortragen, von Echsen. Auch in der nächsten Geschichte, betitelt mit „Das Konzert“ springen so einige Nagetiere herum, und die folgende handelt von einem aufgebundenen kleinen Bären. Skurril, bedrohlich und zuweilen richtig komisch wird es jedoch mit der vierten und längsten Erzählung, in der das Publikum zusammen mit dem Erzähler in einer Sommernacht auf Prager Straßen von einer Riesenmuschel beharrlich verfolgt wird.
Michal Ajvaz gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Autoren in Tschechien, und doch ist er im deutschen Nachbarland nur wenigen Menschen bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass von seinem Gesamtwerk bisher nur der eine, im Salon vorgestellte Erzählband „Die Rückkehr des alten Waran“ in deutscher Übersetzung erhältlich ist, obwohl viele andere Bücher von Ajvaz etwa in türkischer, italienischer, französischer oder englischer Sprache vorliegen. Die knapp 20 Teilnehmenden zeigen sich sichtlich erfreut, nun diese literarische Bekanntschaft machen zu dürfen.
Die Veranstaltung wurde initiiert von Dr. Nora Schmidt, die als slawistische, insbesondere bohemistische Literaturwissenschaftlerin in der thematischen Einführung vor der Lesung ihren persönlichen Zugang zu Ajvaz’ Werk darlegte. Wie bei allen Literarischen Salons der Evangelischen Akademie Thüringen war das Publikum auch diesmal wieder dazu eingeladen, sich auszutauschen und Nachfragen an den Autor und die Übersetzerin zu stellen. So erfuhr man noch einiges von Ajvaz in Sachen autobiographische und philosophische Bezüge, dem Verhältnis zu Kafkas Texten und den Tieren darin, sowie zur Frage der zeithistorischen Relevanz und des eigenen politischen Anspruchs im Schreiben. Lässt sich nur hoffen, dass sehr bald noch andere Titel des tschechischen Autors ihre deutsche Übersetzung finden, damit die neugewonnenen Ajvaz-Fans weiterlesen können!
Die Stadt Eisenach hat ein Leitbild für Ziele und Entwicklungen der lokalen Bildungslandschaft veröffentlicht. Seit 2017 nahm die Stadt in diesem Kontext am Bundesprojekt „Bildung integriert“ mit der Zielgabe des Aufbaus eines kommunalen Bildungsmanagements teil. Im Rahmen zweier Bildungskonferenzen im September 2018 und März 2019 brachten Bildungsakteure und -institutionen aus Eisenach Themen und Anregungen zur Diskussion in den Gestaltungsprozess des Leitbildes ein.
Die Jugendbildungsstätte Junker Jörg und die Evangelische Akademie beteiligten sich seit der ersten Bildungskonferenz am Impulsaustausch zum Leitbildprozess.
Das verabschiedete Bildungsleitbild umfasst Zielsetzungen und Prämissen für die fünf Schwerpunktthemen Lokale Bildungslandschaft, Lebenslanges Lernen, Chancengerechtigkeit, (Weiter-)Entwicklung bedarfsgerechter Bildungsangebote und Gestaltung der Übergänge. Die Eisenacher Bildungsakteure sind nun eingeladen, gemeinsam die Umsetzung des Leitbildes in den Fokus zu nehmen.
Das Leitbild zum Download sowie weitere Informationen zu dessen Entwicklungsprozess im Projekt „Bildung integriert“ finden sich auf der Website der Stadt Eisenach.
Ziemlich daneben oder clever? Bevor die gleichnamige Tagung losging, waren beide Meinungen zu hören. Dann schlich sich leise Melodie und Text des Tagungstitels, des Agitpropsongs „Sag mir, wo du stehst!“ in die Ohren der Teilnehmenden. Und schon 9:28 saßen alle auf ihren Stühlen. Prof. Andreas Lindner begann mit der Bemerkung, ihm sei gerade ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen und er sei froh, dass es vorbei ist: vorbei die Zeit der Bekenntnisansprüche zum SED-Staat.
Doch wie agierten die Kirchen in der DDR? Und wie war das christliche Alltagsleben im „realen Sozialismus“ gewesen? Vor allem Lehrerinnen und Lehrer sowie Studierende waren am 21. November ins Augustinerkloster Erfurt gekommen, um in Vorträgen und Workshops etwas darüber zu erfahren.
Drei Vorträge am Vormittag führten ein. Prof. Maser betonte die Rolle von Persönlichkeiten und kontrastierte den „Kirchenhasser“ Walter Ulbricht mit Erich Honecker. Letzterer habe, gerade im Lutherjubiläum 1983, die Nähe der evangelischen Kirche geradezu gesucht. Ein „besonderer Witz der Geschichte“ sei es schließlich gewesen, dass er und seine – ideologisch schärfere – Frau Margot am 30. Januar 1990 Asyl nur noch in einem Pfarrhaus bekommen hätten.
Weniger auf Personen, denn auf die Veränderung sozialer Strukturen, hob Prof. Martin Onnasch ab: Schwächung der Volkskirche durch schwindende soziale Verankerung, Vordringen der Staatsideologie durch Druck auf die Eltern und Zurücknahme des kirchlichen Anspruchs gegenüber dem Staat wurden von Onnasch stärker prozesshaft geschildert.
Prof. Seiler beschrieb schließlich die Position der katholischen Kirche im Wesentlichen mit „politischer Abstinenz“: einer Haltung, die im Nachhinein kritisch gesehen wird. Zudem plädierte er für Sorgfalt bei der Verwendung von Begriffen in Historiographie und Geschichtspolitik. Was sei etwa mit dem Wort „Unrechtsstaat“ gemeint? Oder was bedeute der Begriff „Widerstand“ in der DDR, wenn kein Umsturz geplant worden ist? Auch auf die Begrifflichkeiten und Metaphern in Standortbestimmungen katholischen Lebens in der DDR selbst sei zu achten, wenn etwa von einer „Gärtnerei im Norden“, vom „fremden Haus“ oder von „Daniel in der Löwengrube“ die Rede gewesen sei.
Sein Plädoyer für eine stärkere Erforschung christlichen Lebens in der DDR fand in den Workshops am Nachmittag Widerhall. Seiler sagte u.a., Widerstand und Opposition seien in die mentale Disposition der Gläubigen verlagert worden. Dieser Gesichtspunkt ließ sich auf Workshop-Themen wie die „Offene Arbeit der Kirchen in der DDR“, die „Friedensdekade“ oder die „Friedensgebete und Demonstrationen 1989 in Leipzig“ beziehen.
Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich stellte in seinem Workshop „Pazifisten in Uniform“ die Bausoldaten in der DDR vor. Er berichtete aus seinem Alltag als Bausoldat im Chemiedreieck 1988/89. Vor allem sein zeitgenössischer Briefwechsel mit einem Klassenkameraden führte vor Augen, wie die Angst vor dem Staat damals Stück für Stück schwand, wenngleich die Herrschenden in dieser Situation gegen widerständiges Verhalten punktuell besonders rabiat vorgingen.