Seit 2014 backen Konfi-Gruppen in ganz Deutschland mit ihrem lokalen Bäcker Brote zugunsten von Brot für die Welt. Mit den Spenden werden drei unterschiedliche Ausbildungsprojekte für Jugendliche in Ländern des Südens unterstützt. Dabei beschäftigen sie sich mit den biblischen Texten genauso wie mit Fragen globaler Gerechtigkeit und dem Wert von Lebensmitteln.
Im diesem Jahr beteiligen sich wieder alle Landeskirchen in Deutschland an der Aktion. Die EKM und die Landeskirche Anhalts haben ein Aktionsteam gegründet, um die hiesigen Aktivitäten zu koordinieren. Der eigentliche Backzeitraum liegt im Herbst 2020: Die Konfi-Gruppen des neuen Schuljahrs sind eingeladen, die Aktion mit Leben zu füllen. Weitere Informationen werden sukzessive auf der EKM-Website veröffentlicht.
„5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ ist eine bundesweite Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Schirmherr der Aktion ist Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Für die Jugendbildung der Evangelischen Akademie gehört zum Start in ein neues Jahr traditionell die Jahreskonferenz der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et). Die Trägergruppe vereint bundesweit all jene Menschen bei den Evangelischen Akademien und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), die im Bereich der politischen Jugendbildung tätig sind. Vom 20. bis 23. Januar 2020 führte sie ihr Weg in diesem Jahr mit dem Tagungsort Hamburg in den Norden der Bundesrepublik.
Thematisch widmete sich die Konferenz unter anderem mit dem Schlagwort „ZUKUNFT!“ aktuellen Entwicklungen, Themen und Ideen, die die Gesellschaft von heute und morgen und damit auch Grundsätze von Jugendbildungsarbeit prägen (werden). Neben der Analyse und Diskussion von Jugendstudien warfen zwei Vorträge den Blick auf die Arbeitswelt der Zukunft mit ihren Anforderungen an Jugendliche und die Geschichte, Entwicklung und das möglicherweise absehbare Ende des Kapitalismus.
Wesentlicher Bestandteil der Jahreskonferenz ist dabei der Raum für inhaltlichen Austausch, kollegiale Beratung und die Planung gemeinsamer Vorhaben und Projekte im Jahresverlauf. Die Regionalteams der et, die sich jeweils aus Kolleginnen und Kollegen aus dem Norden, Süden, Osten und Westen Deutschlands zusammensetzen, beraten sich in diesem Rahmen in einer eigenen Arbeitsphase.
Zur Konferenz gehören stets auch thematische Exkursionen am jeweiligen Tagungsort. Dieses Mal führten zwei Stadtführungen durch Hamburg auf die Spuren des kolonialen Erbes der Hansestadt und Hamburgs Rolle im ungleichen Welthandel.
Welche Herausforderungen stellen sich gerade in der Bildungsarbeit mit Erwachsenen? Was macht evangelische Bildungsarbeit aus? Und wer ist in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eigentlich alles in der Erwachsenenbildung tätig? Am vergangenen Donnerstag lud das Bildungsdezernat der EKM zu einem gemeinsamen Tag ein, um über diese Fragen ins Gespräch zu kommen.
Dabei zeigte sich: Die Bildungs- und Beratungsangebote für Erwachsene in der EKM sind breit aufgestellt und richten sich an Altersgruppen von junge Erwachsenen bis Senioren, an Gemeindemitglieder wie an Konfessionslose und an eine breite Öffentlichkeit ebenso wie an ganz spezielle Zielgruppen wie Opfer rechtsextremer Gewalt oder Fachkräfte in unterschiedlichen Arbeitsbereichen.
„Bildung gehört zur DNA des Protestantismus“, konstatierte Akademiedirektor Dr. Sebastian Kranich in einem Impulsreferat zu Beginn. Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten sowie Freiräume für Reflexion, Fragen und Austausch ermöglichen seien Anliegen, die seit der Reformation zur Evangelischen Kirche gehören. Das machte auch Anette Berger von der Evangelischen Erwachsenenbildung in Sachsen-Anhalt deutlich. Sie stellte in ihrem Impuls Bildung als Voraussetzung zur Freiheit ins Zentrum.
Im Austausch der Teilnehmenden zeigten sich die unterschiedlichen Themen, Methoden und Zielgruppen der Arbeit, aber auch gemeinsame Herausforderungen, wie der demografische Wandel. Konfrontiert sind auch alle gleichermaßen mit den positiven, gesellschaftlichen Erwartungen an Kirche als Bildungsakteurin auf der einen Seite und auf der anderen Seite mit Klischees oder sogar Vorwürfen, mit denen Kirche in einer säkularisierten Gesellschaft zu kämpfen hat.
Wenn sich die Spitzenvertreter des Thüringer Handwerkstags und der Handwerkskammern mit den Bischöfen treffen, gibt es viele gemeinsame Themen: die Gewinnung von Nachwuchs, Zusammenarbeit beim Denkmalschutz, der Wert von Arbeit, aber auch kirchliche Traditionen. Ende Januar lud die EKM in das Evangelische Augustinerkloster zu Erfurt ein, um diesen Austausch zu pflegen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Zum ersten Mal dabei war Landesbischof Friedrich Kramer, der bei dieser Gelegenheit ein differenziertes Bild der EKM zeichnete: So sei die Belastung der Verkündigungsmitarbeitenden enorm, weil ihr Aufgabenbereich in der Praxis oft auch berufsfremde Tätigkeiten umfasst. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Ausbildungsgängen zur ehren- und nebenamtlichen Verkündigung erfreulich hoch.
Bischof Dr. Ulrich Neymeyr berichtete vom 25jährigen Jubiläum des Bistums Erfurt und den Aktivitäten in Ausbildung und Kirchenentwicklung, um attraktive Bedingungen für die Arbeit in den Gemeinden zu schaffen. Der Präsident des Thüringer Handwerkstags, Stefan Lobenstein, erläuterte, dass die Absolventenzahlen im Handwerk erfreulicherweise wieder steigen, aber die Zahl der Handwerksbetriebe zukünftig sinken wird. Angesichts voller Auftragsbücher sei jedoch eine entgegengesetzte Tendenz wünschenswert, weshalb sich die Kammern bei der Berufsorientierung stark engagierten. Abschließend berichtete er von seinem Lieblingsort unter den Weihnachtsmärkten: dem „Heimlich Advent“ der Evangelischen Jugend auf der Predigerwiese.
Die Shell Jugendstudie ist eine Institution in der Jugendforschung. Seit den 1950er Jahren erhebt sie das Lebensgefühl der jungen Generation – zunächst in West- und dann im vereinigten Deutschland. Entsprechend groß war das Interesse an Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse der 18. Studie unter dem Titel „Eine Generation meldet sich zu Wort“. 140 Menschen aus Jugendverbänden, Schulen und anderen Bereichen der Jugendarbeit waren am vergangenen Freitag der Einladung der Evangelischen Akademie, des Landesjugendrings Thüringen e.V. und der LAG Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. ins Augustinerkloster zu Erfurt gefolgt. Dr. Thomas Gensicke, langjähriger Mitautor der Shell Jugendstudie, stellte einen Ausschnitt der jüngsten Ergebnisse vor. Dr. Axel Salheiser vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) aus Jena kommentierte aus Sicht des Thüringen Monitors und warf einen spezifischen Blick auf die jungen Thüringerinnen und Thüringer. In der anschließenden Fishbowl-Diskussion waren alle eingeladen, vorne Platz zu nehmen und ihre Perspektive einzubringen.
Dr. Thomas Gensicke machte in seinem Vortrag deutlich, dass es große Unterschiede zwischen Jugendlichen gibt und sich längst nicht eine ganze Generation zu Wort melde. Stattdessen zeigen die Ergebnisse eine kleine, wachsende Gruppe hochinteressierter junger Menschen, die sich vor allem an Gymnasien, Universitäten und in den Städten finden lassen. Einen Anstieg des politischen Interesses gibt es insbesondere bei jungen Frauen. Zudem habe sich das Themeninteresse verlagert. „Umweltschutz kannibalisiert Soziales“, bringt es Gensicke überspitzt auf den Punkt. Insgesamt sehe er bei Jugendlichen keinen Rechtsruck, sondern eher eine Verschiebung nach politisch Links. Im Kontrast dazu stehe eine hohe Anfälligkeit für populistische Aussagen, die sich auch im Thüringen Monitor findet. Ein Beispiel ist die Aussage, man könne nichts Schlechtes gegen Ausländer sagen, ohne als Rassist bezeichnet zu werden. Über die Hälfte aller Befragten stimmte dem zu.
In der Interpretation dieser Befunde waren sich Gensicke und etliche Teilnehmende des Fachgesprächs uneinig. Gensicke vermutet darin eine Kritik am Management der Migration – insbesondere 2015 – und rät zur Mäßigung. Aus den Reihen der Jugendarbeit kam eher die Vermutung, dass das dauerhafte, populistische Narrativ, dass Political Correctnes Meinungsfreiheit einschränke, auch an Jugendlichen nicht spurlos vorüber gehe. Hier sei Jugendbildung gefragt, Demokratieerfahrungen zu ermöglichen. Dafür brauche es demokratische Vorbilder – in Schule, Familie und Jugendarbeit – und Freiräume, damit Jugendliche sich selbst entfalten können. Diese fehlen aber vor allem im ländlichen Raum, wo es an Strukturen und Mobilitätsressourcen mangelt. Wenn Sozialisation im Jugendalter außer im Klassenzimmer hauptsächlich an der Bushaltestelle stattfindet, kann das für Demokratie und Zivilgesellschaft auf Dauer nicht gut sein!
Vielleicht hatten sie das Glück eine Karte zu bekommen. Denn nach begeisterten Kritiken waren die Aufführungen der Oper Lanzelot in Weimar rasch ausverkauft. Ich habe das Stück schon erleben dürfen. Mein Sitznachbar war dazu extra aus Stuttgart angereist.
Die Geschichte ist kurz zu erzählen: Ein Drache, der die Menschen angeblich vor Urzeiten von der Cholera errettet hat, verheiratet sich jährlich mit einer Jungfrau, die er anschließend frisst. Die Menschen dulden seine Herrschaft. Sie sind es nicht anders gewohnt. Sie haben sich eingerichtet in einer Welt aus Lügen, Selbsttäuschung und Bequemlichkeit. Sie lassen den Drachen einfach machen.
Irgendetwas scheinen sie davon zu haben. Denn als Lanzelot auftaucht, sich in Elsa, die nächste Braut des Drachens verliebt, sich mit ihr verbündet und um sie gegen den Drachen kämpfen will, da versuchen die Einwohner alles, das zu verhindern. Sie verweigern ihm die Waffen zum Kampf und machen ihn lächerlich. Doch Lanzelot nimmt den Kampf auf und tötet den Drachen.
Danach scheint Lanzelot verschollen. Das ist die Stunde des Bürgermeisters, des ersten Dieners des Drachens. Er gibt sich selbst als Drachentöter aus, lässt sich feiern und beginnt zu herrschen: als neuer Drache.
Offenbar kennen und wollen es die Menschen nicht anders. Nach kurzem, heftigen Freiheitsjubel, nach einem Moment der offenen Gefängnistore, da wird wieder alles zum alten, bis Lanzelot – schwer gezeichnet vom Kampf – erscheint.
Der wirkliche, der wahre Held steht am Bühnenrand und singt: „Wie soll ich aus diesen Puppen Menschen machen?“
Was die Geschichte von Lanzelot erzählt, das vermag den Blick auf den Monatsspruch für Februar zu weiten: „Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte.“ (1.Korinther, 7,11)
Damit meint Paulus: Dass ihr jetzt frei seid, das hat etwas gekostet, das war richtig teuer. Dass der alte Drache besiegt worden ist, wie es auch auf der Mitteltafel des Cranach-Altars in der Herderkirche Weimar zu sehen ist, das hat einem das Leben gekostet. Verwundet in einem Kampf auf Leben und Tod hängt er am Kreuz.
Deshalb: Seid euch eurer Freiheit bewusst und schätzt sie. Denn Paulus weiß nur zu genau, was auch wir wissen können: Kaum befreit suchen Menschen sich nur allzu gern neu-alte Herren und Dinge, die sie knechten.
Eben davon erzählt die Geschichte der Diktaturen auf dieser Welt, die Paul Dessau und Heiner Müller 1969 in Ostberlin mit Lanzelot auf die Bühne gebracht haben. Wer die Neuinszenierung von Peter Konwitschny gesehen hat, wird sich dabei immer wieder fragen: Ist es heute so viel anders?
Herrschen nicht vielerorts Typen, die sich wie der Drache in der Oper gebärden – getragen von der Lust der Selbstunterwerfung und der Unterwerfung anderer? Offenbar steckt diese Lust Menschen tief im Fleisch.
Lanzelots Stoßseufzer lautet: „Wie soll ich aus diesen Menschen Puppen machen?“
In der Oper wird erzählt, dass Lanzelot den Drachen tausendmal tötet und dass der Drache tausendmal zu neuem Leben erwacht: ein ewiges Hin- und Her. Immerhin: Es gibt offenbar immer wieder neue Lanzelots und Elsas, die es hoffnungsfroh mit dem Drachen aufnehmen.
Doch der Weimarer Cranach-Altar zeigt noch etwas anderes, oder besser: etwas nicht. Das Schwert für den Drachenkampf, dass Lanzelot in der Operninszenierung schwingt, fehlt. Der verwundete Auferstandene bezwingt den Drachen mit einer Lanze aus Licht.
Denn dieser Jesus ist kein ritterlicher Held, wie er im Buche steht. Zwar hat ihn Cranach ihn schön gemalt. Doch Luther dichtet: „Er nimmt an eines Knechts Gestalt.“
Also: Er sieht aus wie du Mensch und ich Mensch. Doch er ist anders. Er ist kein Drachenknecht. Sich einzurichten in einer Welt aus Lügen, Selbsttäuschung und Bequemlichkeit, das ist seine Sache nicht. Er fordert den Drachen heraus auf seine lichthelle, gewaltlose Weise. So trifft er ihn dort, wo er tödlich verwundbar ist. Denn der Drache versteht sich nur auf Gewalt. 13 Schlagzeuger begleiten ihn in der Oper und erzeugen einen infernalischen Lärm.
Diesem Jesus aber hat der Drache am Ende nichts entgegenzusetzen: Ihm muss er sich beugen. Ihm und all denen, die ihre Angst verlieren vor dem lärmenden, feuerspuckenden Untier.
Er muss sich all denen beugen, die sich weigern, fortan unter der Herrschaft des Drachen zu leben. Denen, die ihm und seinen Leuten den Knechtsdienst verweigern. Weil sie wissen: Wir sind teuer erkauft.
Übrigens: Am 16. Mai feiert Lanzelot in der Oper Erfurt Premiere. Weitere Termine: 22. Mai, 03. Juni, 13. Juni, 21. Juni. Noch sind Karten verfügbar.