Fragen, Austausch und Interaktionen entlang der Papierrolle. Foto: (c) EAT
Geschriebene Mikro-Gesprächskarten. Foto: (c) EAT
Festivalgelände im Kraftwerk Zschornewitz. Foto: (c) EAT
Gesprächsteilnehmende an der Papierrolle. Foto: (c) EAT
Gespräche im Format "Bubble-Date". Foto: (c) EAT
Am 19. und 20. September war das Bubble Crasher-Projekt beim Festival OSTEN im Kraftwerk Zschornewitz in Sachsen-Anhalt zu Gast. Das Festival fand kurz nach der Landtagswahl statt und widmet sich seit 2022 Geschichten, Veränderungen und Zukunftsfragen des ostdeutschen Raums.
Das Kraftwerk bot dafür einen besonderen Ort, denn zwischen Industriearchitektur, Performances, Installationen, Gesprächen und Aktionen entstand eine Atmosphäre „für gegenseitiges Interesse“, wie es auch im Untertitel des Festivals beschrieben wird. Ein guter Ort, um zwei neue Formate auszuprobieren, die Menschen unkompliziert miteinander ins Gespräch bringen.
Im Begegnungsspiel „Bubble-Date“ treten jeweils zwei Menschen, die sich noch nicht so gut kennen, gemeinsam an eine lange Papierrolle. Sie ist Spielfeld, Gesprächsanlass und Interaktionsfläche zugleich. Kaum war die Rolle ausgerollt, standen sich die ersten Paare gegenüber. Schritt für Schritt spielten sie sich durch Fragen und kleine Aufgaben, positionierten sich, fragten nach, tauschten sich aus, trafen Entscheidungen und schrieben kleine Botschaften aneinander.
An der zweiten Station konnten jeweils vier Menschen ein geschriebenes Mikro-Gespräch miteinander führen, ohne sich direkt zu begegnen. Fragen, Antworten und Gedanken wurden auf Karten notiert und anschließend an der Dialogstation ausgehängt. So entstanden nach und nach sichtbare Gespräche aus vielen Stimmen. Die Karten mit den fertigen Gesprächen konnten später mitgenommen werden.
Begegnung ist nicht selbstverständlich. Eine gestaltete Rahmung, Struktur oder Anlass in Form eines Spiels, einer Frage oder einer ungewohnten Konstellation, haben das Potential, Menschen aus ihren vertrauten Bahnen zu bringen und einen Kontakt, eine temporäre Überschneidung herzustellen, die sonst vielleicht nicht entstanden wären.
Der Stadtteil Bitterfeld-Wolfen Nord und das Kraftwerk Zschornewitz als Festivalstandorte wurden für drei Wochenenden zu einem dichten Geflecht aus Kunst, Kultur, Diskussion, Intervention und Begegnung. Die Bubble-Crasher-Aktion setzte darin zwei kleine Anlässe und Impulse und hoffentlich Begegnungen, die über den Moment hinauswirken.
Für die Ukraine verbindet sich mit der Europäischen Union die Hoffnung auf Sicherheit, demokratische Teilhabe und eine selbstbestimmte Zukunft. Der Weg zur Mitgliedschaft verlangt dem Land unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges tiefgreifende politische und wirtschaftliche Reformen ab. Die Chancen und Herausforderungen dieses Prozesses standen am 22. September 2026 im Mittelpunkt des zwölften friedensethischen Studientags der Evangelischen Akademien. Unter dem Titel „Die EU als Zukunft der Ukraine“ brachte die Online-Veranstaltung ukrainische und deutsche Perspektiven miteinander ins Gespräch.
Ljubow Akulenko, Geschäftsführerin des Ukrainian Centre for European Policy, und Oleksandra Avramenko, Vorsitzende des Ausschusses für europäische Integration beim Ukrainian Agribusiness Club, eröffneten den Austausch aus ukrainischer Perspektive. Im Mittelpunkt standen die Erwartungen an eine Mitgliedschaft sowie die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Die Diskussion machte deutlich, wie eng europäische Integration mit der Hoffnung auf eine freie und demokratische Zukunft verbunden ist.
Dabei prägt eine grundlegende Spannung den Beitrittsprozess: Die Ukraine braucht eine glaubwürdige europäische Perspektive. Zugleich erfordert die Mitgliedschaft nachhaltige Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und demokratischen Institutionen. Der Krieg erschwert diese Aufgaben erheblich. Er erhöht aber auch die Dringlichkeit, den Menschen eine verlässliche Aussicht auf die Zukunft ihres Landes zu eröffnen.
Wie sich beides verbinden lässt, diskutierten der Osteuropahistoriker Wilfried Jilge und der Europaabgeordnete Michael Gahler mit unterschiedlichen Akzenten. Jilge betonte, dass Reformen dauerhaft wirksam sein müssten und die EU ihre eigenen Anforderungen konsequent einfordern solle. Gahler hob das gemeinsame politische und sicherheitspolitische Interesse an einer Aufnahme hervor. Beide verband die Überzeugung, dass die Vollmitgliedschaft ein glaubwürdiges Ziel bleiben müsse und bereits auf dem Weg dorthin konkrete Integrationsschritte notwendig seien.
Zugleich wurde die Ukraine als Partnerin sichtbar, die selbst Fähigkeiten und Erfahrungen einbringt. Das betrifft ihre Bedeutung für die europäische Sicherheit ebenso wie wirtschaftliche Potenziale und das Engagement ihrer Zivilgesellschaft. Auch die Diskussion über Landwirtschaft zeigte, wie wichtig es ist, neben möglichen Verteilungskonflikten die Chancen einer engeren Zusammenarbeit wahrzunehmen.
Besondere Aufmerksamkeit galt der ukrainischen Zivilgesellschaft. Ihr Einsatz für demokratische Kontrolle und gegen Korruption zeigt, dass Reformen auch aus der Gesellschaft heraus eingefordert werden. Diese Kräfte zu unterstützen, gehört zu einer langfristigen europäischen Verantwortung. Verlässliche Partnerschaften und die Förderung lokaler Handlungsmöglichkeiten können dazu beitragen.
Die friedensethische Dimension des Beitritts reicht zugleich in den Alltag der Menschen hinein. Wer über Wiederaufbau und Integration spricht, muss auch nach Wohnraum, Rückkehrmöglichkeiten und der Unterstützung von Kriegsgeschädigten fragen. Eine europäische Perspektive gewinnt dort an Glaubwürdigkeit, wo sie das Leben konkret verbessert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Die Frage nach der Zukunft der Ukraine fordert deshalb auch die EU heraus: zu politischer Verlässlichkeit, zur Bereitschaft, sich selbst zu verändern, und zu einer Solidarität, die langfristig trägt.
Politische Macht wird auch dort vorbereitet, wo keine Wahlzettel ausgefüllt werden: in Büchern, Zeitschriften, Gesprächskreisen und sozialen Medien. Hier werden Begriffe geprägt und Vorstellungen davon ausgehandelt, was als selbstverständlich gilt. Wie die Neue Rechte diese Räume nutzt, stand im Zentrum des Augustinerdiskurses am 17. September im Erfurter Augustinerkloster. Der Historiker Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Markus Rieger-Ladich und der Theologe PD Dr. Benedikt Brunner diskutierten unter der Moderation von Michael Weise über die „Konservative Revolution“ als Grundmythos der Neuen Rechten.
Elf Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte das Thema besondere Dringlichkeit: Wie gewinnen rechte Vorstellungen gesellschaftliche Zustimmung? Welche Rolle spielen Geschichte, Kultur und Religion?
Ein Schlüssel zum Verständnis lag für die Referenten in einer Dissertation von 1949. Der Publizist Armin Mohler versammelte darin unterschiedliche rechte Autoren der Weimarer Republik unter dem Begriff „Konservative Revolution“. Wagner erläuterte die politische Funktion: Diese Zusammenstellung sollte der Rechten nach 1945 eine vermeintlich unbelastete Tradition anbieten. Überschneidungen mit dem Nationalsozialismus seien dabei ausgeblendet oder heruntergespielt worden.
Bei allen Unterschieden verbanden diese Autoren nach Wagners Darstellung die Ablehnung von Liberalismus und Parlamentarismus, eine Frontstellung gegen die Aufklärung und ein elitäres Gemeinschaftsdenken. Hinzu kamen autoritäre Führervorstellungen sowie die Verherrlichung von Gewalt und Männlichkeit.
Rieger-Ladich betonte die strategische Bedeutung von Mohlers Arbeit. Sie sollte die Rechte intellektuell erneuern und politisch wirksam machen. Entscheidend sei die Einsicht gewesen, dass politische Erfolge kulturell vorbereitet werden müssen. Der Begriff Metapolitik bezeichnet diese Arbeit im Vorfeld von Parteien und Wahlen: Wer Begriffe besetzt und einflussreiche Erzählungen verbreitet, verändert, welche politischen Antworten plausibel erscheinen.
Anregungen fand die Neue Rechte ausgerechnet beim italienischen Marxisten Antonio Gramsci und dessen Überlegungen zur kulturellen Hegemonie. Rechte Akteure hätten diese übernommen, aber ihres emanzipatorischen Anspruchs entkleidet. Zur Umsetzung brauche es einen langen Atem und eine Infrastruktur aus Verlagen, Zeitschriften und Begegnungsorten. Auch Literatur werde zum politischen Schauplatz: Welche Autoren werden gelesen, welche Perspektiven ausgeblendet und wie werden Werke umgedeutet?
Am Begriff „Nationalmasochismus“ verdeutlichte Wagner die Verbindung zur heutigen AfD. Er zeichnete eine Linie von Mohlers Schriften über das neurechte Verlagsmilieu bis zum Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt. Die Erinnerung an deutsche Verbrechen werde dabei als krankhafte Selbstabwertung dargestellt. Geschichtsrevisionismus solle die historische Belastung rechter Politik abschütteln und ein anderes nationales Selbstbild durchsetzen. Gezielte Tabubrüche und anschließende Selbstverharmlosung trügen zusätzlich dazu bei, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben.
Brunner ergänzte die widersprüchliche Rolle des Christentums. Große Teile des Protestantismus seien historisch für nationale und völkische Vorstellungen empfänglich gewesen. Zugleich stehe der christliche Anspruch auf gleiche Würde aller Menschen im Konflikt mit zentralen rechten Überzeugungen. Kirchengeschichte müsse deshalb eigene Verstrickungen ebenso untersuchen wie die politische Verwendung religiöser Begriffe.
In der Publikumsdiskussion ging es um Gegenstrategien. Die Referenten warben für quellenbasierte Aufklärung und dafür, Kontakte zu ansprechbaren Menschen nicht vorschnell abzubrechen. Auch soziale Unsicherheit und mangelnde Teilhabe müssten ernst genommen werden. Moralische Empörung allein reiche nicht aus.
Orientierung bot der in der Begrüßung aufgegriffene Hirtenbrief der mitteldeutschen Bischöfe: Verständigung suchen und zugleich für bedrohte Menschen einstehen. Für den Kampf um die Köpfe bedeutete das, Geschichtsbilder kritisch zu prüfen, Widerspruch zu formulieren und dabei demokratische Gesprächsräume offenzuhalten.
Workshop-Teilnehmende in Aktion auf Erfurter Petersberg und Domplatz. Foto: (c) Tippelhoffer/EAT
Wie können wir im öffentlichen Raum miteinander ins Gespräch kommen? Die Teilnehmenden hatten inspirierende und mutige Ideen. Foto: (c) Tippelhoffer/EAT
Unter dem Motto „Aufbruchsstimmung. Global denken, künstlerisch erforschen, lokal verändern“ lud die LKJ Thüringen am 1. September 2026 zum Praxisforum der Kulturagentinnen Thüringen in die DEF.Inition auf dem Petersberg in Erfurt ein. Schulleitungen, Lehrkräfte und Kulturschaffende kamen zusammen, um sich inspirieren zu lassen, neue Perspektiven auf kulturelle Bildung zu gewinnen und praxisnahe Ideen für den kreativen Schulalltag zu erproben. Im Mittelpunkt standen dabei die Verbindungen von kultureller Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Global Citizenship Education (GCE).
In diesem Rahmen kamen ca. 20 Schüler:innen und Lehrer:innen auch zu einem herausfordernden Perspektivwechsel und einer Methodenwerkstatt im Schnelldurchlauf zusammen. Im Workshop „Bubble-Crasher-To-Go“ verließen sie das geschützte Klassenzimmer und machten Petersberg und Domplatz zu Experimentierfeldern, inklusive aller Störungen, Wirrungen und Zufälle von öffentlichen Räumen. Auf dem Domplatz schrubbte sich eine Kehrmaschine über den Platz, gefolgt von rasselnden Gemüsewägen der Markthändler und Kommentaren von neugierigen Passant:innen.
Der interaktive Spaziergang verband Workshop-Elemente mit spontanen Interventionen und Gesprächsimpulsen. Die Zeit war knapp und dennoch stellten sich die Teilnehmenden recht schnell verschiedenen Aufgaben, bei denen sie zeitweise ihre Komfortzone verließen. Passant:innen freundlich grüßen, Gesprächsfetzen sammeln, ungewöhnliche Fragen stellen oder sich auf kurze Begegnungen einlassen – die Gruppe war experimentierfreudig und offen für Gespräche.
Dabei ging es nicht darum, andere Menschen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Bubble Crasher setzt dort an, wo wir beginnen, unsere eigenen Perspektiven und Annahmen zu hinterfragen. Das Projekt bewegt dazu, die eigenen sozialen und gedanklichen Bubbles wahrzunehmen, Perspektiven zu wechseln und Menschen mit anderen Lebensrealitäten zu begegnen. Gerade urbane Plätze bieten dafür besondere Möglichkeiten. Begegnungen entstehen spontan, Gesprächssituationen sind nicht vollständig planbar und die Teilnehmenden müssen sich auf das einlassen, was ihnen tatsächlich begegnet.
Als es darum ging, kreative Gesprächsanlässe zu erfinden, wurde es im Verlauf des Workshops ziemlich vielseitig. Von einer kurzen spontanen Frage, wie „Wohin des Wegs?“ über spielerische Kreidebotschaften oder Positionierungsspiele auf dem Platz oder einer mit buntem Tape auf den Boden geklebten Einladung in eine Bubble „Happiness here, step inside“ plus Seifenblasenzauber waren inspirierende Ideen zur Kontaktaufnahme mit Fremden dabei.
Die Rahmenbedingungen sind im öffentlichen Raum nie optimal, aber das macht so ein Experiment auch spannend und entspricht den Erfahrungen, die wir im Alltag machen, viel mehr als ein Workshop im Seminarraum. Es wäre toll, wenn einige der kleinen Gespräche oder Interaktionen noch eine Weile bei den Teilnehmenden und den angesprochenen Passant:innen nachwirken!
Dr. Sebastian Kranich eröffnet die Tagung | Foto: Copyright EAT/Zubarik
Dr. Freimut Löser | Foto: Copyright EAT/Zubarik
Julia Koll liest aus ihrem Roman "Das Buch Mechthild" | Foto: Copyright EAT/Hellwig
Pfarrer Ralf Kühlwetter-Uhle bei der Andacht im Raum der Stille | Foto: Copyright EAT/Zubarik
Wie bekannt ist Meister Eckhart? Geboren in Tambach oder in Hochheim im Nessetal. Mönch und Prior im Dominikanerkloster Erfurt. Einer der bedeutendsten Philosophen, Theologen und Mystiker des Mittelalters mit weiteren Wirkungsstätten in Köln, Paris und Straßburg. Wenn ich die Leute auf Meister Eckhart anspreche – so eine Stimme zu Beginn – bekomme ich zur Antwort: „Meister wer? Meister Eder kenne ich – und seinen Pumuckl. Aber Meister Eckhart?“
Im Mittelpunkt der Tagung stand die Armutsproblematik im Mittelalter. Immer wieder ging es um die Verbindung von materieller und geistlicher Armut bei Waldensern, Franziskanern, Dominikanern und Beginen. Denn diese weibliche Lebens- und Frömmigkeitsbewegung, die Frauenmystik einer Mechthild von Magdeburg (1207-1282) und einer Marguerite Porete (1250/60-1310) sind es ebenso wert, Beachtung zu finden, wie die Schriften des hochgelehrten Magisters Eckhart.
Die literarische Qualität von Mechthilds Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ wurde vermittels des kongenialen Romans „Das Buch Mechthild“ von Professorin Dr. Julia Koll vermittelt. Die Autorin las aus ihrem funkensprühenden Debüt. Auch sonst wurde unter Anleitung von Prof. Dr. Freimut Löser meist eng an den Texten der mittelalterlichen AutorInnen gearbeitet, um deren Denken und Erleben nahe zu kommen. Dabei ergaben sich mitunter überraschende Parallelen zur inneren und äußeren Armut der Gegenwart sowie das Empfinden eines großen Abstands zur Welt des Mittelalters.
Sicher: Meister Eder und sein Pumuckl stehen vielen aus Kindertagen näher. Meister Eckhart sollte uns näher rücken. Im Blick auf sein 800. Todesjahr 2028 wird die Evangelische Akademie weiterhin ihren Teil dazu beitragen.
Ein beeindruckendes Kloster, mehrere Bühnen, Bands mit ganz unterschiedlichen Musikstilen und rund 400 Jugendliche: Vom 28. bis 30. August 2026 wurde Volkenroda wieder zum Treffpunkt für junge Menschen aus Mitteldeutschland. Alle zwei Jahre veranstaltet der Bund evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (bejm) das Jugendfestival – in diesem Jahr unter dem Motto „Go(o)d vibes“. Und gute Vibes gab es reichlich. Doch das Festival hatte weit mehr zu bieten als Musik und Konzerte.
Ein Festival mit vielen Facetten
Neben den Bühnen und Konzerten konnten die Jugendlichen aus einem vielfältigen Programm wählen: Andachten und Bibelarbeiten luden zum Nachdenken und Innehalten ein, Workshops eröffneten Räume für Austausch und Diskussion. Bei Spielen, in der Silent Disco oder im Spiele-Café stand die Gemeinschaft im Mittelpunkt.
Auch für Abenteuerlustige gab es einiges zu entdecken: erlebnispädagogische Angebote, Klettern am Kran, einen Feuerspiel-Workshop und Graffiti sorgten für Action und kreative Möglichkeiten. In der E-Sport-Lounge konnten sich Gaming-Begeisterte treffen. Informationen rund um das Kloster und Klosterführungen boten zudem die Möglichkeit, den besonderen Veranstaltungsort näher kennenzulernen.
Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst, der die vielen Eindrücke und Begegnungen des Wochenendes noch einmal zusammenführte.
Ein solches Festival entsteht allerdings nicht von allein. Das Programm steht und fällt mit den Ideen, der Kreativität und dem Engagement vieler Menschen, Initiativen und Gruppen.
Jugendbeteiligung, die man erleben kann
Besonders deutlich wurde das bei der aktiven Beteiligung junger Menschen. Jugendliche vom Landesjugendkonvent übernahmen beispielsweise die Moderation des Bühnenprogramms. Insgesamt waren mehr als 100 haupt- und vor allem ehrenamtlich Engagierte am Auf- und Abbau, bei der Betreuung der Pavillons und Stände sowie bei der Durchführung des Festivals beteiligt. Viele von ihnen waren in den vergangenen Jahren selbst als Teilnehmende dabei. Aus dem Erleben des Festivals entstand der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und das Festival selbst mitzugestalten.
Das ist Jugendbeteiligung, wie sie besser kaum sichtbar werden könnte: Jugendliche sind nicht nur Gäste eines Festivals – sie gestalten es mit, übernehmen Verantwortung und prägen das Programm.
„Auf-Augenhöhe“: Wie gelingt respektvoller Austausch?
Auch die Akademie war beim Jugendfestival aktiv beteiligt. Neben der Gestaltung von Botschaften als Schablonen lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem jugendpolitischen Workshop am Samstagnachmittag. Unter dem Titel „Auf-Augenhöhe“ ging es um eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Wie können wir trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben?
Rund 30 Teilnehmende unterschiedlichen Alters tauschten sich in wechselnden Groß- und Kleingruppen aus. Gemeinsam mit jungen Gästen aus politischen Jugendorganisationen wurde diskutiert, welche Rolle Respekt und Meinungsfreiheit im Alltag spielen – in der Schule, online, im Freundeskreis und in der Gesellschaft.
Dabei standen unter anderem diese Fragen im Mittelpunkt:
Welche Rolle spielen Respekt und Meinungsfreiheit in unserem Alltag?
Wie kann ich meine eigene Meinung klar vertreten, ohne andere abzuwerten oder zu verletzen?
Woran merke ich, dass in einer Diskussion der Respekt verloren geht?
Was kann ich tun, um ein Gespräch wieder in eine konstruktive Richtung zu bringen?
Wie kann eine Gesellschaft aussehen, in der sich alle trauen, ihre Meinung zu äußern?
Zuhören, nachfragen, aushalten
Die Gespräche zeigten schnell: Respektvolle Kommunikation ist wichtig – aber keineswegs immer einfach. Die Teilnehmenden berichteten von verhärteten Fronten bei bestimmten Themen, von Unterstellungen, abwertender Mimik und Gestik und einer manchmal harten Gesprächsdynamik. Gerade im Netz werde Respekt häufig zur Herausforderung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Meinungsfreiheit eine große Bedeutung hat, aber nicht grenzenlos ist. Als hilfreich wurden ganz konkrete Strategien benannt: zuhören, nachfragen, Verständnisfragen stellen und die Faktenbasis überprüfen. Ich-Botschaften können helfen, die eigene Perspektive auszudrücken, ohne dem Gegenüber Vorwürfe zu machen. Auch Gefühle dürfen benannt werden, wenn sie in einem Gespräch hochkommen.
Es geht darum, Standpunkte zu klären und gleichzeitig die eigene Bewertung zunächst zurückzuhalten. Ehrliches Interesse am Gegenüber zu zeigen, Anknüpfungspunkte zu suchen und Widersprüche auszuhalten, kann helfen, wieder auf eine gemeinsame Gesprächsebene zu kommen. Dabei muss nicht immer sofort ein Konsens entstehen. Vielmehr braucht es die Fähigkeit, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und dennoch miteinander im Gespräch zu bleiben.
Respekt beginnt im Kleinen
Einige Ergebnisse der Diskussion waren überraschend einfach und gerade deshalb eindrücklich: Ein Lächeln ist ansteckend. Toleranz und Offenheit zeigen sich nicht nur in großen politischen Debatten, sondern vor allem im alltäglichen Handeln. Dazu gehört, eigene Vorurteile zu reflektieren, konstruktive Kritik anzunehmen und die eigenen Grenzen ebenso zu wahren wie die Grenzen anderer. Auch eine gemeinsame Fehlerkultur wurde als wichtig beschrieben. Nicht immer müssen wir die schlimmsten Konsequenzen befürchten. Nicht immer müssen wir nachgeben. Und manchmal braucht es nach einem Konflikt einen bewussten Neustart – vielleicht sogar durch Vergebung.
Besonders mit Blick auf junge Menschen und Migrant:innen wurde wahrgenommen, dass Respekt in der Gesellschaft teilweise abgenommen hat. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Meinung äußern können, ohne Angst vor Abwertung haben zu müssen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Das Jugendfestival in Volkenroda hat einmal mehr gezeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen Raum bekommen, ihre Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Musik, Glauben, Diskussion, Kreativität, Spiel und Gemeinschaft gehörten dabei genauso zusammen wie haupt- und ehrenamtliches Engagement. Das Motto „Go(o)d vibes“ beschreibt dabei nicht nur die Stimmung des Wochenendes. Es steht auch für eine Haltung: gemeinsam unterwegs sein, einander begegnen, zuhören, diskutieren, feiern und Verantwortung übernehmen.
Mehr als 400 Jugendliche, zahlreiche Initiativen und Gruppen und über 100 Engagierte haben das Festival zu dem gemacht, was es war. Jugendbeteiligung at its best!